Kasperle kramt im Gedächtnis

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Holger Runz und Evelyn Rancka mit ihrem selbst gebauten Puppentheater. Die Figuren sind gespendet

Ehepaar aus Harksheide spielt Puppentheater in Pflegeheimen – eine Zeitreise für Demenzkranke

Norderstedt. 20 Minuten dauert die Reise in die Kindheit. Eine Zeit, in der Kasper, Gretel und die Großmutter immer die Guten, Räuber und Krokodil immer die Bösen waren. Eine Zeit, an die sich ältere Menschen gerne erinnern, die auch bei von Demenz-Betroffenen meist stark präsent ist. Und dorthin nehmen Evelyn Rancka und Holger Runz sie mit. Die beiden Harksheider bringen an vier Adventssonntagen mit einem selbst geschriebenen Stück und eigens angefertigten Kasperle-Theater Erinnerungen und Leben in Pflegeheime rund um Norderstedt.

Den Anstoß zu diesem ehrenamtlichen Projekt lieferte eine gute Freundin. „Sie ist an Demenz erkrankt und wir begleiten sie seit vielen Jahren. Die Besuche in den Einrichtungen empfanden wir oft als deprimierend und haben überlegt, wie man ihr und anderen Bewohnern Freude bereiten kann“, erklärt Evelyn Rancka. Die uneigennützige Idee der Hobby-Puppenspieler kommt an. „Bei unseren ersten Aufführungen im vergangenen Jahr haben einige Senioren bereits beim musikalischen Auftakt zu ‚Tri-tra-trullala’ begeistert mitgesungen“, erinnert sich Holger Runz. Handwerklich geschickt baute der Ingenieur ein schmuckes Miniatur-Theater aus gelbem Sperrholz und mit rotem Dach. Die Vorhänge und Hintergründe aus Stoff schneiderte seine Frau mit viel Liebe zum Detail. Die Hauptdarsteller wurden ihnen praktisch „hinterhergeworfen“. „Über einen Zeitungsaufruf haben wir sehr viele Spielpuppen erhalten, die bis dato in Kellern und auf Dachböden verstaubten.

Doch wegwerfen wollte sie keiner, da jede Puppe eine Familiengeschichte erzählt“, sagt die 63-jährige Sozialpädagogin und Yoga-Lehrerin. So erhielten abgeliebte Märchen- und Tierfiguren ein neues Zuhause – ein frecher Teufel kam sogar aus München angeflogen – darunter auch wunderschöne alte Hohensteiner Holzpuppen, die im aktuellen Stück „Der verschwundene Weihnachtsbaum“ zum Einsatz kommen. Geprobt wird im Wohnzimmer und mit Videokamera zur Kontrolle – schließlich sollen Auf- und Abgänge sowie Positionen stimmen. „Wir spielen zwar frei, aber mit Anspruch“, so die Puppenspieler, die jeder drei Figuren führen. So lispelt Seppel und Oma snackt platt – „das macht dem Publikum und uns gleichermaßen viel Spaß.“ Die Norderstedter überlegen, zu Ostern ein weiteres Stück zu inszenieren. Bei Interesse an kostenlosen Aufführungen können sich Pflegeheime unter
Tel.: 040/522 43 95 melden. (blu)
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