Kita „Musischer Jugendkreis“ muss sich entscheiden

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Nur noch bis zum Sommer haben die Kinder des Musischen Jugendkreises Spaß im Garten an der Ochsenzoller Straße Foto: Nowatzky
 
Katrin Schmieder, Grüne: Der Verein muss sich entscheiden Foto: Nowatzky

Eine Förderung mit aktuellem Status unvereinbar

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt
Am 1. August ist Schluss für die Kinderbetreuung in der Ochsenzoller Straße 134 beim Musischen Jugendkreis. An der Ecke zur Berliner Allee wird ein Kreisel gebaut, direkt neben dem Haus, in dem zurzeit 32 Kinder in kleinen Gruppen zu zwölft, beziehungsweise acht betreut werden, entstehen große Mehrfamilienhäuser. Ulrich Eidecker, seit 2012 Vorstand des Vereins, sucht inzwischen nach Ersatz, doch bisher scheiterten seine Versuche, einen neuen Standort zu finden. Entweder waren die Räume nach Angaben der Stadtverwaltung ungeeignet oder wurden anderweitig bereits verplant. Die Situation des Vereins, der als Elterninitiative schon seit 1969 Kinder betreut, ist verworren. Der Name Musischer Jugendkreis entstand zu einer Zeit, in der es nur wenige Betreuungsplätze für Kleinkinder in Norderstedt gab und die Initiative mit Spielgruppen soziale Kontakte ermöglichten, die Jüngsten zugleich an die Musen, an die Künste heranbringen wollte. Inzwischen hat sich das Konzept gewandelt: montags bis freitags ist jeweils von 7.30 bis 14.30 Uhr geöffnet. Zusätzlich bietet der Verein Vorschulgruppen in drei Grundschulen an. Der Status der Kindertagesstätte lautet: „Kindergartenähnliche Einrichtung“ – gemeint ist laut Gesetz, dass Räume, Öffnungszeiten und personelle Ausstattung nicht den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz erfüllen. Deshalb nimmt die Stadt den Verein auch nicht in den Bedarfsplan auf, daran hängen aber öffentliche Finanzhilfen. Die städtischen Kitas und auch andere freie Träger in der Stadt erfüllen andere Standards: „Wir leisten uns einen Personalschlüssel von 2,1 Erziehern pro Gruppe und alle Kitas sind zertifiziert“, erläutert Katrin Schmieder, Grüne und stellvertretende Ausschussvorsitzende. Ausschuss und Stadt hatten dem Musischen Jugendkreis nahegelegt, eine „echte“ Kita zu werden.
Sozialdezernentin Anette Reinders: „Gleiche Förderung geht nur mit den gleichen Regularien. Eine Sonderbehandlung wäre ungerecht gegenüber den anderen Kindertagesstätten.“ Ulrich Eidecker möchte den Status behalten, er sieht größere Gestaltungsfreiheit und vermutet hinter der Ablehnung: „Die Stadt will uns vom Markt haben.“ Mit der derzeitigen räumlichen Situation kann er die Standards nicht erfüllen. Politik und Verwaltung sind sich einig: Sollte der Musische Jugendkreis die Standards erfüllen – auch bezogen auf die einheitliche Gruppengröße mit 20 Kindern pro Gruppe, steht einer weiteren Förderung nichts im Wege. Doch bisher habe der Verein weder ein Konzept zum Personalschlüssel noch zur Qualität vorgelegt. Katrin Schmieder: „Sollte es keine neuen Räume ab 1. August geben, muss der Verein Lösungen für die betreuten Kinder finden.“ Eidecker sucht derzeit weiter – doch das Haus oder die Räume müssen den Ansprüchen an eine Kita genügen. Sollte der Verein die Weichen für eine reguläre Kindertagesstätte stellen, wäre auch ein Neubau denkbar, mit einer Übergangslösung in gemieteten Räumen. Aber: Öffentliche Gelder dafür gibt es nur als Kindertagesstätte im Rahmen der Standards. Reinders: „Wir werden nicht in etwas investieren, das keine Zukunft hat.“ Sollte keine Lösung gefunden werden, müsste die Stadt notfalls zur Räumungsklage greifen. Eidecker: „Ich setze die Kinder nicht auf die Straße.“
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1 Kommentar
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Ulrich Eidecker aus Norderstedt | 06.04.2016 | 18:45  
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