Männerchor singt nicht mehr

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Die letzten Mitglieder des älteste Vereins von Quickborn, der Liedertafel Vorwärts von 1863: Peter Voss, Peter Beste, Peter Kaun, Hans-Dieter Hamdorf, Jürgen Grasnick, Gerhard Thesdorf und Werner Berg (von links). Foto: Fuchs

Quickborns ältester Verein, die Liedertafel von 1863, ist jetzt dokumentierte Geschichte

Quickborn/Norderstedt. Sie wollte nicht, dass der älteste Verein Quickborns „sang- und klanglos untergeht“, erklärt Irene Lühdorff von der Quickborner Geschichtswerkstatt ihre Motivation. Ende vorigen Jahres löste sich die Liedertafel Vorwärts von 1863 nach fast 150 Jahren Bestehen auf. Die sieben verbliebenen Mitglieder, allesamt im betagten Alter, konnten schon seit Jahren keinen regulären Männergesangverein mehr darstellen. Wenn sie auftreten wollten, mussten sie sich mit der Chorgemeinschaft Alster-Nord, die Sänger aus Norderstedt und Tangstedt in ihren Reihen hat, zusammentun. Einige von ihnen sind dort jetzt als Chormitglieder aufgenommen worden.
Und so traf die Idee Lühdorffs, der alten Liedertafel in den Räumen der Geschichtswerkstatt im Haus Roseneck Platz einzuräumen, wo die fast 150-jährige Geschichte des Vereins dokumentiert und archiviert werden kann. Neben alten Fahnen, historischen Andenken und Abzeichen sind dort nun sämtliche rund 50 Gesangsbücher archiviert sagt Werner Berg, 80, stolz, der viele Jahre Schriftführer der Liedertafel war. Sogar das vollständige Mitgliedsverzeichnis und alle Chroniken des Vereins seien noch vorhanden.
Wie rege zum Beispiel das Vereinsleben dieses Quickborner Männerchores war, zeigt die Mobilisierung von fast 150 Sängern aus der gesamten Umgebung einschließlich Hamburgs, Elleraus und dem heutigen Norderstedt bereits im ersten Jahrzehnt seines Bestehens in den 1860er Jahren.
Für Werner Berg war es gar keine Frage, 1949 in die Liedertafel einzutreten. „Mein Onkel Hermann Antonius sagte damals zu mir ‚Morgen kommst du mit zum Singen’ und schon war ich dabei. Ich wurde sozusagen eingetreten.“ Das war für ihn als 17 Jahre alten Jugendlichen gar nicht so einfach, erinnert sich das mit Gerhard Thesdorf, 82, älteste und langjährigste Mitglied der Liedertafel an diese Anfangszeit. Im Chor traf er auf „altehrwürdige Geschäftsleute“ und Honoratioren Quickborns. „Und plötzlich sollte ich die alle duzen. Das war zunächst problematisch für mich. Heute ist ja alles viel legerer.“
Als Quickborn 1974 zur Stadt ernannt wurde, war es die Liedertafel Vorwärts die ihr die Hymne („vivat Quickborn!“) dazu sang. Aber in den letzten Jahrzehnten viel es dem Chor immer schwerer, Nachwuchssänger zu rekrutieren. „Die hören heute doch überall Musik. Selber singen will da kaum noch einer“, glaubt Peter Beste, der ehemalige Erste Tenor der Liedertafel. Auch in der Schule würden die Schüler kaum noch zum Singen angehalten. Auch das sei früher anders gewesen.
Die Liedertafel ist auch die Initiatorin der Städtepartnerschaft von Quickborn mit Boxholm. Als das ehemalige Chormitglied Hans-Georg Mrotzek nach Schweden ausgewandert war, kehrte er mit dem Chor aus Boxholm 1966 erstmals nach Quickborn zurück. Daraus entstand ein reger Austausch der Männerchöre, der dann 1974 in die offizielle Städtepartnerschaft mündete. (bf)
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