Neu-Bürger herzlich begrüßt

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Gisela und Manfred Wagner kamen mit Jeremias und Leghisha aus Eritrea ins Gespräch Foto: blu
 
Margret und Hermann Borelli hatten als Gastgeschenk ein paar Süßigkeiten mitgebracht Foto: blu

300 Anwohner kamen zum Grillfest in der Flüchtlingsunterkunft Fadens Tannen

Von Claudia Blume
Norderstedt
Der 22-jährige Jeremias lächelt etwas unsicher, als Gisela Wagner dem jungen Mann aus Eritrea eine gut gefüllte Tüte mit Süßigkeiten anbietet. „Das gehört doch dazu, wenn man jemanden willkommen heißt“, sagt die Harksheiderin aufmunternd. Ihr Mann Manfred ist derweil im Gespräch mit Jeremias Landsfrau Leghisha. Seit vier Wochen ist die 34-Jährige, die fließend Englisch und Arabisch spricht, in Norderstedt. „Very friendly“, findet sie ihre einheimischen Nachbarn. Das gleiche Kompliment geben die Anwohner der zur Flüchtlingsunterkunft umgebauten Gemeinschaftsschule Fadens Tannen gern zurück. Vergangene Woche hatten Stadtverwaltung, die Integrationsbeauftragte Heide Kröger und das Willkommen-Team zum gemeinsamen Grillfest auf dem ehemaligen Schulgelände eingeladen.

„Anfangs hatte ich Bauchweh vor dem, was auf uns zu kommt, doch ich bin angenehm überrascht.“ Margret Borelli

Etwa 300 Nachbarn aus der näheren Umgebung waren gekommen, um nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die neuen Bewohner kennenzulernen. „Anfangs hatte ich Bauchweh vor dem, was auf uns zu kommt“, gesteht Margret Borelli, „doch ich bin angenehm überrascht.“ Höflich und zurückhaltend seien die Asylsuchenden, würden auf der Straße fröhlich grüßen. „Mit einem 28-jährigen Kosovaren habe ich neulich einen Spaziergang mit unserem Hund Pelle gemacht. ‚Geredet’ wurde mit Händen und Füßen. Auch er liebt die Natur. Das werden wir sicher wiederholen.“ Auch Elfie Kröhnke empfindet ihre neuen Nachbarn auf Zeit als sehr angenehm, sorgt sich dennoch: „Ich habe Angst, dass ihnen etwas passieren könnte wie Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in anderen Städten zeigen.“ Die Seniorin denkt an Brandstiftung und Zerstörung. „Um so etwas zu vermeiden und Vorurteile gar nicht aufkommen zu lassen, ist es wichtig, dass Alt- und Neu-Norderstedter sich kennenlernen“, erklärt Heide Kröger, Integrationsbeauftragte der Stadt, die überwältigt war von der guten Stimmung und der Hilfsbereitschaft. Viele Harksheider hatten zum Grillfest kleine Präsente mitgebracht, Süßigkeiten und Getränke, einige sogar Fußbälle, mit denen sofort gekickt wurde.

Noch freie Kapazitäten


Auch Anette Reinders zeigte sich begeistert von der freundlichen Atmosphäre in der Unterkunft. „Das liegt sicherlich auch an der großzügigen Anlage“, sagte die Sozialdezernentin und bekannte: „Ich hätte gern mehr solcher Schulen für Asylsuchende.“ Laut Prognose des Kreises Segeberg werden Norderstedt bis Jahresende 480 Personen zugewiesen. „Derzeit sind wir gut aufgestellt und haben noch freie Kapazitäten“, so Reinders. In Fadens Tannen sind bisher nur 50 von 130 Plätzen belegt, bis September werden auf dem Schulhof Mobilbauten für 50 weitere Flüchtlinge aufgestellt. Darüber hinaus entstehen auch in der Lawaetzstraße 100 Plätze ebenfalls in Mobilbauten, sowie 80 auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Harksheide.
Auch in der Gemeinde ist die Lage relativ entspannt, obwohl von 47 zugewiesenen Flüchtlingen lediglich 23 in Schlichtwohnungen und Privatquartieren untergebracht werden können. „Das liegt daran, dass das verwaltete Amtsgebiet Itzstedt sieben Gemeinden umfasst und wir derzeit in der komfortablen Lage sind, in der Gemeinde Seth etliche Wohnmöglichkeiten anzumieten und entsprechend eine höhere Anzahl von Asylsuchenden dort unterbringen“, erklärt Ordnungsamtsleiter Torge Sommerkorn. Aktuell werden 106 Personen im gesamten Amtsgebiet versorgt, bis Ende des Jahres rechnet die Verwaltung mit 150 Zuweisungen; 64 entfallen – zumindest rechnerisch – auf Tangstedt. „Dennoch suchen wir weiteren Wohnraum und müssen auf kürzere Sicht auch über Neubau nachdenken“, so Sommerkorn. „Wir möchten eine große Gemeinschaftsunterkunft vermeiden und dezentralisieren. Geplant ist, im kommenden Jahr im Gewerbegebiet von Nahe ein Gebäude für 40 Personen zu errichten. Das leerstehende ehemalige Seniorenheim „Haus Abendsonne“ in Tangstedt kommt dagegen nicht für die Unterbringung von Flüchtlingen in Frage. Der Boden ist aufgrund früherer Nutzung als Tankstelle zu stark belastet. Als vorbildlich lobte Bürgermeister Norman Hübener (SPD) das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger, die sich in Helferkreisen, im DRK und der Tafel um Hilfesuchende kümmern. Bald werden an der VHS-Sprachkurse für Asylsuchende angeboten.
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