Neustart im Tierheim

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Sylvia Rückert, Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins Westerwohld, steht in der KritikFoto: tj
 
Viele Mitglieder des Tierschutzvereins hoffen auf einen Neuanfang

Zweckverband kündigt Tierschutzverein Westerwohld

Von Tina Jordan
Henstedt-Ulzburg. Einstimmig haben die Teilnehmer der Verbandsversammlung vergangene Woche auf der Sitzung des Zweckverbandes Tierschutz Segeberg-West für die fristlose Kündigung ihres Vertrages mit dem Tierschutzverein Westerwohld gestimmt.
Der Verein darf sich nicht länger um die Fundtiere aus Norderstedt, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Ellerau, Kaltenkirchen-Land und aus dem Amt Kisdorf kümmern und muss das Tierheim am Kirchweg verlassen. Der Vorstand des Tierschutzvereins, unter Vorsitz von Sylvia Rückert, will gegen die Kündigung Widerspruch einlegen.
Der Zweckverband, als übergeordnete Behörde des Vereins, sucht indessen bereits einen neuen Betreiber. Auch das Grundstück am Kirchweg gehört dem Zweckverband. In einem Betreibervertrag mit dem Tierschutzverein war geregelt, dass die Tierschützer pro Jahr etwa 500 Tiere aufnehmen und sich um die Weitervermittlung kümmern müssen. Der Verein erhielt dafür bisher einen Kostenzuschuss für die Übernahme der kommunalen Aufgabe der Fundtierbetreuung. Durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Sponsoren, Informationsstände, Basare, und die Aktion „Tag der offenen Tür“ im Tierheim wurden weitere Gelder generiert.
Der Vorstand des Tierheims wurde in den letzten Wochen massiv kritisiert. Er hatte sieben Mitarbeitern gekündigt und 47 Mitglieder aus dem Verein ausgeschlossen, weil sie beantragten, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Eines machte Verbandsvorsitzender Hanno Krause auf der Sitzung im Rathaus, zu der 40 Tierheimfreunde erschienen, deutlich: „Die Querelen rund um das Tierheim machen  mich sehr betroffen“.
Für Hanno Krause sei die Situation fachlich wie menschlich schwierig. Er selbst hatte sich ein Bild vom Tierheim machen wollen und diesem ohne Anmeldung einen Besuch abgestattet. „Ich musste als Verbandsvorsteher meinen Ausweis zeigen und wurde dann erst reingelassen, allerdings bekam ich nicht die Büroräume zu sehen“, berichtet er.
„Der Vorstand soll Größe zeigen und einfach zurücktreten“, sagte Katja Vogel. „Ich war fünf Jahre Tierpflegerin im Tierheim Westerwohld und wurde einfach gekündigt.“ Mit weiteren 53 „Tierheim-Ausgeschlossenen“ hat sie sich eine Fachanwältin genommen. „Wir wollen den Verein am Leben erhalten und als Leitung hauptamtliche Kräfte einsetzen“, ergänzt sie. Katja Vogel war auch bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins anwesend, der zwei Tage nach der Sitzung des Zweckverbandes, am vergangenen Donnerstag stattfand. Der Vorstand hatte einen Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens an der Tür postiert, um ausgeschlossene Mitglieder oder die, deren Mitgliedschaft ruht, draußen zu halten. Dennoch erschienen 20 Tierschützer, die das Zutrittsverbot ignorierten. Daraufhin soll Sylvia Rückert die Polizei alarmiert haben. Nachdem die Beamten die Missverständnisse an der Tür aufgelöst hatten, zogen sie sich zurück. Die „Ausgeschlossenen“ jedoch nicht. „Wir waren natürlich emotional und haben lautstark unserem Ärger Luft gemacht“, erinnert Katja Vogel sich. Zu viel für Sylvia Rückert: Sie verließ mit dem Vorstand das Gebäude. Tierheim-Gründungsmitglied Karl Rathjen übernahm den Sitzungsvorsitz. Beschlossen wurde, dass sämtliche Tierheimausschlüsse aufgehoben sind, ebenso ausgesprochene Hausverbote. Der Vorstand soll zurücktreten und vom Amtsgericht ein Notvorstand benannt werden. (tj)
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