„Newface“, die coole Schulfirma

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Seline Franke und Melvin Steinke sind für das Marketing von „newface“ verantwortlich Foto: blu

Neuntklässler des Lise-Meitner-Gymnasiums fertigen Taschen aus alten Stoffen

Von Claudia Blume
Norderstedt. Donnerstag, sechste Stunde. Kurz vor Schulschluss bricht im Werkraum des Lise-Meitner-Gymnasiums rege Geschäftigkeit aus. Bunte Stoffreste werden auf den Tischen verteilt, Reißverschlüsse nach Länge sortiert. Vier Jungs zwischen 14 und 15 Jahren stöpseln Stecker in die Dosen – für ihre Nähmaschinen.

„Uns war wichtig, dass der umweltfreundliche Aspekt eine wichtige Rolle spielen muss.“ Seline Franke

Während andere Schüler bereits auf dem Nachhauseweg sind, ist bei der Schülerfirma „newface“ Arbeitsbeginn. In engagierter und mühevoller Handarbeit entstehen hier Federmäppchen, Etuis und Taschen für Tablets, Laptops und Bücher. Jedes ein Unikat. Mit eigens kreiertem Logo.
Im Rahmen eines Wahlpflichtkurses absolvieren 16 Neuntklässler seit Beginn des Schuljahres ein Junior Kompaktprogramm, das auf die Profilwahl in der Oberstufe abzielt. Aufgabe ist, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln und umzusetzen sowie Sensibilität für unternehmerisches Denken und Handeln zu schärfen.
„Uns war wichtig, dass der umweltfreundliche Aspekt eine Rolle spielt“, erklärt Marketing-Beauftragte Seline Franke, „schließlich sind wir eine Zukunftsschule.“ Zuerst wollten die Schüler Brötchenbeutel herstellen, um Papiermüll, der in den Gebüschen rund um die Schule landet, zu dezimieren.

Strukturierte Abläufe entwickelt

Die Idee fand jedoch wenig Anklang bei den Mitschülern. Also wurde umgedacht und so entstand „Upcycling“ – heißt, aus alten Jeans und anderen Stoffen werden individuelle Taschen hergestellt. Das Startbudget von 450 Euro kam über Spenden von Familien und Freunden zustande, die Nähmaschinen stammen von Hempels.
Bügeln, zuschneiden, Logo aufsticken, Reißverschluss einsetzen, Nähte schließen – anfangs herrschte Chaos in der Fabrikation. „Dann haben wir eine Produktionsstraße entwickelt. Mit strukturierten Abläufen geht alles flotter“, sagt Geschäftsführer Anton Wietzke. Muss es auch, denn das Projekt floriert. Neun Bestellungen sind derzeit in der Warteschleife.
Verkauft wird im schuleigenen Bio-Laden, Federmäppchen kosten acht Euro, Laptoptaschen zehn Euro. Ein Schnäppchen. Allein am Tag der offenen Tür verbuchten die „Firmeninhaber“ Einnahmen in Höhe von 100 Euro.
Das macht die Jugendlichen stolz, denn jedes fertige Produkt ist durch Hände aller Team-Mitglieder gegangen. Noten gibt es übrigens auch: für Einsatz, Verantwortung, Kreativität und Verlässlichkeit. Gerd Clasen, Mittelstufen-Koordinator des Lise-Meitner-Gymnasiums: „Die Schüler haben gelernt zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu motivieren wie im echten Arbeitsleben.“

Lernen am Unterfaden

Vor allem den Jungs rechne der Lehrer hoch an, dass sie sich dem Kampf mit dem störrischen Unterfaden gestellt haben. Zum Ende des Schuljahres wird „newface“ aufgelöst, der Umsatz gespendet. „Schade“, meint Schülerin Seline Franke, „eigentlich ist es wert weiterzumachen.“ Ihre Bilanz: „Das Know-how ist da, nur hat neben der Schule leider keiner Zeit dafür.“
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