Norderstedt verhindert Neonazi-Geschäft

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Anti-Nazi-Aufkleber zeugen noch vom Protest gegen die geplante Eröffnung Foto: Fuchs

Behörde untersagt Öffnung wegen baurechtlicher Mängel in der Segeberger Chaussee

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt
Das große Hinweisschild auf den neuen „Outlet“-Store in der Segeberger Chaussee ist abmontiert. Fenster und Türen sind verrammelt. Niemand ist zu sehen auf dem Hinterhof in Norderstedt, wo ehemals ein italienisches Restaurant zu leckeren Speisen einlud und jetzt das Bekleidungs-Label für Menschen mit rechtsextremer Gesinnung, Thor Steinar, seine erste Filiale in Norderstedt eröffnen wollte.

Polizeieinsatz

Die Stadtverwaltung Norderstedt hatte in buchstäblich letzter Minute die geplante Eröffnung des Ladens in dem früheren Einfamilienhaus unter Polizeieinsatz gestoppt. „Die Anordnung zur sofortigen Schließung erfolgte vor Ort aus baurechtlichen Gründen“, erklärte Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Nähere Angaben wollte er dazu nicht machen. Aber er versicherte: „Die Stadt wird sicherstellen, dass das Geschäft geschlossen bleibt.“ Bei dem Gebäude, in dem der Laden für Groß- und Einzelhandel aufmachen wollte, handele es sich um eine privat vermietete Immobile. Der Betreiber sprach gegenüber Medienvertretern von „behördlicher Willkür“.

Stadt soll weltoffen bleiben

Auch im politischen Raum war die Neuigkeit, dass mit Thor Steinar erstmals ein Shop für die rechtsradikale Szene in Norderstedt Fuß fassen wollte, mit Bestürzung aufgenommen worden. „Der Nazi von Welt kommt heute halt nicht mehr mit Springerstiefeln daher“, wunderte sich Linken-Fraktionschef Miro Berbig. „Wer was auf sich hält, trägt Casual-Look beim Anzünden von Flüchtlingsunterkünften“, schimpfte der Direktkandidat für die Linken bei der Landtagswahl im Mai. „Damit wird Norderstedt zum Treffpunkt der rechten Szene Hamburgs, das können wir so nicht hinnehmen. ‚Norderstedt ist weltoffen‘ hab ich mir immer anders vorgestellt.“ Auch der Sprecher der Norderstedter Grünen, Detlev Grube, kritisierte die mögliche Ansiedlung dieser Neonazi-Kette. „So etwas wollen wir hier nicht in der Stadt haben. Das passt nicht zu einem weltoffenen Norderstedt mit seiner ausgeprägten Willkommenskultur und gefährdet den öffentlichen Frieden.“ In Glinde konnte gerade ein Geschäft nach langwierigen Protesten von Bürgerinnen und Bürgern geschlossen werden.
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