Schmuckstück in Norderstedt zu vergeben

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Das historische Haus der dänischen Zöllner in der Segeberger Chaussee unweit des Ochsenzoller Kreisels Foto: blu

Stadt sucht Mieter für historisches Gebäude beim Kreisel Ochsenzoll

Von Claudia Blume
Norderstedt. Das historische Reetdachhaus unweit des Ochsenzoller Kreisels sieht auf den ersten Blick bewohnt aus. Doch der Schein trügt. Seit eineinhalb Jahren steht das Gebäude leer. Der Garten verwildert. Überall breitet sich Moos aus, wo früher üppige Gemüsebeete Ertrag brachten.
Dabei ist die Stadt in der Pflicht, ihr gehört das ehemalige Wohnhaus der dänischen Zöllner, das früher an der Grenze zwischen Dänemark und Hamburg stand. Bis vor zwei Jahren lebte Ernst Heinrich von der Reit auf dem 8.000 Quadratmeter großen Grundstück, lange mit seiner Frau Helene, die sogar unter dem Reet geboren wurde. 46 Jahre in vier kleinen Zimmern, Küche, Bad und steiler Stiege ins Obergeschoss.
Stattliche 92 Jahre ist der rüstige Herr schließlich geworden und hat Grund und Boden noch zu Lebzeiten der Stadt überschrieben. Doch was tun mit dem historischen Schmuckstück? Vermieten, verkaufen, vielleicht sogar abreißen?

Parkplatzmangel vergraulte Interessenten

„Es haben bereits diverse Interessenten Haus und Grundstück besichtigt. Leider sind bisher alle potenziellen Mieter wieder abgesprungen“, weiß Stadtsprecher Hauke Borchardt. Als Gründe vermutet er hohe Sanierungskosten, denn der Vorbesitzer hatte seit Jahrzehnten nicht renoviert, die Sanitäranlagen sind längst nicht mehr zeitgemäß.
„Ein Café wäre toll, vielleicht mit einer Galerie oder eine Bäckerei“, wünscht sich Fitnete Berisha, die mit ihrer Familie direkt neben dem historischen „Geisterhaus“ wohnt. „Jammerschade, dass so ein schönes Haus nicht genutzt wird.“ „Die Stadt sollte ein Interesse haben, dieses kulturhistorische Kleinod zu erhalten“, sagt Maren von Xylander vom Stadtmuseum und könnte sich das Gebäude gut als Zweigstelle vorstellen.
Verkehrstechnisch ist die Lage bestens, lediglich der Parkplatzmangel schränkt vor allem die gewerbliche Nutzung erheblich ein und vergrault Interessenten. „Derzeit verwalten wir Haus und Grundstück und tragen die Unterhaltungskosten, damit es nicht verfällt“, erklärt Holger Rickers vom Amt für Gebäudewirtschaft. Im Winter wird geheizt, damit die Rohre bei Frost nicht platzen und vor zwei Jahren spendierte die Verwaltung sogar ein neues Reetdach. Schließlich steht der steinerne Zeitzeuge unter vorläufigem Denkmalschutz. Seit etwa 2006 beschäftigt sich die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Segeberg mit dem womöglich stadtprägenden Gebäude, und möchte es vor umfangreichen baulichen Veränderungen schützen.
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