Sie sagen „Willkommen“

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Regina Baltrusch (v.l.), Mirghani Khir und Hero Hewa Taher packen die neuen Taschen. Sie sollen ein erstes Willkommensgeschenk für Asylbewerber in Norderstedt seinFoto: Nowatzky

Wie Norderstedt Flüchtlingen mit Informationen, Paketen und Zuwendung hilft

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt. Menschen, die geplant in eine neue Stadt ziehen, informieren sich vorher über Ärzte, Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten. Bis die Kartons ausgepackt sind und der Kühlschrank neu befüllt werden kann, haben sie für die ersten Tage ein paar wichtige Dinge im „Handgepäck“ dabei. Anders ist das bei Asylbewerbern, die aus den Erstunterkünften in Neumünster über Bad Segeberg nach Norderstedt kommen. Sie wissen nichts über ihre neue Heimat, kommen ohne die nötige Erstausstattung in ihr neues Zuhause in den Unterkünften in der Lawaetzstraße oder im Buchenweg.

„Es gibt keinen, der die Flüchtlinge an die Hand nimmt“ Ellen Siebert, Migrationsbeauftragte
„Es gibt keinen, der die Flüchtlinge an die Hand nimmt“, sagt Ellen Siebert, Migrationsbeauftragte der Diakonie, mit Bedauern. Dies fiel ihr auf, als vor einigen Monaten absehbar wurde, dass die Zahl der Flüchtlinge deutlich ansteigen wird.
Mit „Willkommen in Norderstedt“ will die Stadt diesem Missstand entgegenwirken. Die Verantwortlichen wollen gut auf die steigende Zahl an Asylbewerbern vorbereitet sein. „Etwa 200 Flüchtlinge wird Norderstedt dieses Jahr aufnehmen“, sagt Stadträtin Anette Reinders. Schon im vergangenen Jahr war die Zahl auf über 50 Flüchtlinge gestiegen, deshalb hatte die Stadträtin zum runden Tisch aufgerufen.
Neben der Stadtverwaltung kümmern sich auch Diakonie und Caritas sowie ehrenamtliche Mitarbeiter um die Neubürger. Herausgekommen ist die Idee eines Willkommens-Tandems. Ein Zweierteam aus einem Norderstedter mit und einem ohne Migrationshintergrund wird die Flüchtlinge in Alltagsdingen über die ersten Tage und Wochen begleiten. Ab dem zweiten Tag in der Unterkunft können so Fragen zu Einkaufsmöglichkeiten, passenden Schulen und nötigen Arztbesuchen unbürokratisch besprochen werden.

Erste Hürde überwinden

„Die Ehrenamtlichen bieten eine Zusatzleistung als Brücke, um die Hürden der ersten Tage und Monate zu überwinden“, erklärt die städtische Integrationsbeauftragte Heide Krüger. Bereits seit drei Wochen betreut Regina Baltrusch gemeinsam mit einer Norderstedterin mit serbischen Wurzeln vier Familien. „Wir regeln Arztbesuche, erklären ihnen das Prozedere mit Behörden oder wie zeigen wie die Abläufe bei der Kleiderkammer sind“, sagt Regina Baltrusch.

Von eigener Erfahrung profitieren

Hero Hewa Taher kennt Startschwierigkeiten aus eigener Erfahrung. Vor 14 Jahren kam sie aus dem Irak, sagt „Wir haben am Anfang wie in Dunkelheit gelebt.“ Heute hilft sie vor allem Familien aus dem arabischen Raum, hier Fuß zu fassen. So wie sie haben sich viele Migranten bereit erklärt beim „Willkommenstandem“ mitzumachen. „Wir brauchen aber noch Norderstedter, die Zeit und Lust haben, auch neue Kulturen kennen zu lernen“, sagt Heide Kröger. Weitere Informationen erteilt sie unter Tel.: 040/ 53 59 59 16 oder am Donnerstag, 20. Februar,
18 Uhr, bei einem Info-Termin in der VHS Norderstedt.
Die Arbeitsgruppe hat eine weitere Idee entwickelt: Alle Neuankömmlinge erhalten an ihrem Ankunftstag eine Einkaufstasche, bedruckt mit dem Wort „Willkommen“ in 40 Sprachen. Darin finden sie Haushaltsartikel und Grundnahrungsmittel wie Reis oder Nudeln eingepackt. Zusätzlich gibt ein Infobrief einen Überblick über die wichtigsten Anlaufstellen in der Umgebung.
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