„Slowborn“ statt Quickborn

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Die Anwohner Klaus-John Eisenmenger und Lerna Bartsch wollen, dass die Kinder - hier Sara, Liv und Edwin – sicher sindFoto: Fuchs

Eltern gegen Raser am Kiefernweg. Polizei: Tempomessungen waren unauffällig

Von Burkhard Fuchs
Quickborn/Ellerau. Für viele Fernfahrer und ortskundige Autofahrer ist er eine beliebte Abkürzung von der Abfahrt der Autobahn 7 ins Gewerbegebiet Ellerau. Doch die Anwohner des Kiefernweges in Quickborn-Heide wollen die steigende Verkehrs- und Lärmbelastung vor ihren Häusern nicht länger ertragen.
Anwohner Klaus-John Eisenmenger kam jetzt auf die pfiffige Idee, mit professionell gestalteten Wahlplakaten für sein langjähriges Anliegen zu werben. „Stoppt Raser und Verkehrsrowdys“ war darauf zu lesen ebenso wie das Wortspiel „Slowborn“ (slow = langsam) statt Quickborn im Kiefernweg. Die Forderung gipfelte in dem Satz: „Wählt endlich die verantwortlichen Politiker ab!“
Doch die Schilder wurden schon am nächsten Tag vom städtischen Bauhof wieder abgehängt. Nicht wegen der Kommunalwahl, betont Bürgermeister Thomas Köppl. Es dürfe nicht jeder einfach irgendwelche Schilder an der Straße aufhängen. Sonst würden nicht mehr die Verkehrsschilder beachtet, warnt der Verwaltungschef. Genau das täten aber viele Autofahrer ohnehin nicht, die viel zu schnell und rücksichtslos durch den Kiefernweg führen, der nur auf einer Seite einen Gehweg hat, klagt Eisenmenger.

Schulweg für Kinder

„Das hier ist der Schulweg für die Schüler der Waldschule. Ich möchte nicht erleben, dass hier ein Kind umgefahren wird.“ Wenn er und seine Nachbarn von ihren Grundstücken fahren wollten, müssten sie sich bei offenem Fenster und ohne Musik langsam auf die Straße vortasten und die Ohren spitzen, um einen Unfall mit den vorbeifahrenden Autos zu vermeiden. Mehrere Unfälle mit Fahrerflucht seien in jüngster Zeit bei der Polizei angezeigt worden. Aber die Behörden reagierten nicht, wundert sich Eisenmenger. „Nur leere Versprechungen. Wir werden veräppelt“, ärgert sich der Unternehmer. Eisenmenger ist mit seinem Ansinnen nicht allein. Nachbarin Lerna Bartsch macht sich Sorgen um ihre Kinder Edwin, Sara und Liv, wenn die hier nahe der Straße spielen. „Die Autos fahren hier oft ziemlich schnell vorbei.“

„Subjektive Wahrnehmung“

Doch die Polizei kann diesen Eindruck des Anwohners nicht bestätigen. „Der Kiefernweg ist aus polizeilicher Sicht kein Unfallschwerpunkt“, sagt Jan Wittig, Quickborns Stationsleiter. So seien zwar am 18. Januar sowie am 5. und 19. Februar Unfälle geschehen. Aber zu hohes Tempo sei in keinem Fall die Ursache gewesen. Im Jahr 2012 erfolgten auch mehrere Geschwindigkeitsmessungen. Diese ergaben, dass nur 2,9 Prozent der 930 überprüften Fahrzeuge schneller als 50 Stundenkilometer gefahren waren. „Die subjektive Wahrnehmung unterscheidet sich oft krass von der Wirklichkeit“, sagt Wittig.
Auch Bürgermeister Köppl sieht keinen Handlungsbedarf. „Wir beobachten die Verkehrssituation im Kiefernweg regelmäßig.“ Eine erhöhte Gefahrenlage wegen Rasern, Unfällen oder zu hohem Verkehrslärm sei dort nicht feststellbar. All dies rechtfertige keine Reduzierung auf Tempo 30, auch eine zusätzliche Querungshilfe mit Ampel für Fußgänger wurde seitens der Stadtverwaltung abgelehnt.
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