Sozialarbeiter in Schulen

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Kinder verbringen immer mehr Zeit in der Schule, das schürt auch Konflikte. Zudem werden sie zuhause vermehrt mit Lebenskrisen konfrontiert Foto: blu

Ab Sommer Halbtagskraft in jeder Grundschule. „Erziehungsbedarf ist enorm“

Von Claudia Blume
Norderstedt
Ein Meilenstein in Norderstedts Schullandschaft ist geschafft: Ende August, also zu Beginn des neuen Schuljahres 2015/16, wird Schulsozialarbeit auf alle zwölf Grundschulen ausgeweitet. Das beschloss der Jugendhilfeausschuss und präsentierte gleich ein entsprechendes Konzept.
„Neben den Grundschulen Glashütte und Friedrichsgabe, die bereits Schulsozialarbeiter haben, erhält jede Einrichtung eine halbe Stelle, die jeweils 19,5 Stunden pro Woche vorsieht und bei begründetem Bedarf sogar auf 39 Stunden ausgeweitet werden kann“, erklärt Klaus Struckmann, Leiter des Jugendamtes. Die zehn unbefristeten Stellen werden noch vor Ostern ausgeschrieben.
Kostenpunkt: 380.000 Euro pro Schuljahr – knapp die Hälfte gibt das Land, den Rest muss die Stadt selber tragen.

Der Betrag ist bereits in den Haushalt eingestellt.“ Petra Müller-Schönemann, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses

„Der Betrag ist bereits in den Haushalt eingestellt“, versichert Petra Müller-Schönemann, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Sie ist froh, dass man sich fraktionsübergreifend schnell einig war, denn der Bedarf für Schulsozialarbeit sei enorm hoch.
„In Kitas und weiterführenden Schulen gibt es bereits entsprechende Pädagogen, doch für die Grundschulzeit klaffte eine Lücke, die nun geschlossen wird.“ Die Notwendigkeit bestätigt Carsten Meincke, der an der Grundschule Glashütte arbeitet: „Viel Kinder haben zuhause niemanden zum Reden, wenn sie aus der Schule kommen. Konflikte mit Mitschülern oder Lehrern tragen sie den ganzen Tag mit sich herum. Das führt zu Verhaltensauffälligkeiten. Zudem gibt es oft Probleme im Elternhaus wie Arbeitslosigkeit, Armut, Trennung der Eltern. Wenn die Schüler zu mir kommen, wissen sie, dass ich wirklich Zeit für sie habe und mit ihnen Lösungsstrategien erarbeite.“
Doch nicht nur für Kinder ist der Schulsozialarbeiter ansprechbar – auch für Eltern und Lehrer, wenn Schwierigkeiten auftauchen, denn auch der Erziehungsbedarf in der Schule steige stetig. Vorgesehen ist, dass den zehn neuen Pädagogen ab August jeweils ein eigener Raum als Büro und für Beratungsgespräche zur Verfügung stehen soll - allerdings können das nicht alle Grundschulen bieten.
„Als Übergangsmöglichkeit muss auf einen Facharbeitsraum oder Ähnliches ausgewichen werden. Bei der Umstellung auf eine Offene Ganztagsschule und möglichen Neubauten etwa für Mensen wird ein entsprechender Raum eingeplant“, sagt Klaus Struckmann, der für die Schulsozialarbeiter zuständig ist.
Langfristig möchte die Politik die BEB (Gesellschaft für Bildung-Erziehung-Betreuung) mit der Federführung betrauen, die ohnehin für den Ganztagsbereich der Grundschulen zuständig ist. Da sie sich jedoch noch im Aufbau befindet, bleibt die Regie in den kommenden drei Jahren beim Jugendamt und somit der Stadt.
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