Teuer, aber nötig

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Norderstedt plant Sozialarbeit an allen Grundschulen Symbolfoto: thinkstock
 
Sozialpädagoge Carsten Meincke Foto: Nowatzky

Norderstedt plant Schulsozialarbeit an allen Grundschulen

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt
„Hier darfst du reden“ Ein Schild mit diesem Satz hängt an der Wand von Carsten Meinckes Büro. Und das nehmen seine jungen Klienten wörtlich. Viele Gespräche beim Schulsozialarbeiter an der Grundschule Glashütte fangen mit den Worten: „Carsten, ich hab‘ ein Problem“ an.
Es sind Auseinandersetzungen in der Klasse, Streit auf dem Schulhof, aber auch Konflikte im Elternhaus, die Grundschüler in die Sprechstunde des Pädagogen führen. Derzeit ist Meincke mit einer halben Stelle im Bauspielplatz Fossi-Haus im Einsatz und mit einer halben an der Grundschule beschäftigt. Bereits seit fünf Jahren ist der Norderstedter für Kinder, Eltern und Lehrer ansprechbar, wenn Schwierigkeiten auftauchen.
„Die Kinder sind mit der Offenen Ganztagsschule so lange in der Schule wie noch nie“, erklärt Petra Müller-Schönemann (CDU), die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses in Norderstedt ist.
Carsten Meincke beobachtet seit Einführung der Ganztagsbetreuung mehr verhaltensauffällige Kinder, häufigeres Gerangel auf dem Schulhof und vor allem vermehrt Unlust der Schüler, Regeln zu befolgen.
Schulsozialarbeiter sollen nun an allen Grundschulen tätig werden und die Situation verbessern. Darüber ist sich die Politik fraktionsübergreifend einig.
Auch Fallzahlen des Jugendamtes belegen, dass es immer häufiger Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern gibt. Das Amt hat bereits ein Konzept „Schulsozialarbeit an Grundschulen“, ausgearbeitet. Auf der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Donnerstag, 22. Januar, soll die Umsetzung beschlossen werden. Entscheidet sich die Mehrheit der Politiker dafür, soll es ab dem Schuljahr 2015/16 an allen Grundschulen Schulsozialarbeiter geben.

Für zwölf Schulen jeweils eine halbe Stelle


„Jede der zwölf Schulen wird eine halbe Stelle bekommen“, erklärt Klaus Struckmann, Leiter des Jugendamtes. Unter seiner Regie arbeiten auch die bisher eingesetzten Schulsozialarbeiter wie Carsten Meincke. „Wir sehen zunehmend höheren Erziehungsbedarf in der Schule“, sagt Struckmann. „Mit Schulsozialarbeit ist man näher am Kind und kann frühzeitig helfend eingreifen.“ „Die Lehrer haben gemerkt, welche Entlastung das für sie bedeutet und nutzen inzwischen Schulsozialarbeit als Qualitätsvorsprung vor anderen.“
130.500 Euro sollen die neu geschaffenen Stellen 2015 und 347.400 Euro ab 2016 kosten. Dies muss die Stadt zunächst selbst finanzieren.
Zwar will die Landesregierung 2015 insgesamt 17 Millionen Euro jährlich für die Schulsozialarbeit in Schleswig-Holstein ausgegeben. Dazu gibt es jedoch noch keinen Haushaltsbeschluss und auch noch keine Mitteilung, wie viel Geld es pro Stadt oder Kreis geben wird.
Den hohen finanziellen Aufwand für die Stadt sieht Petra Müller-Schönemann als problematisch: „Wir wollen die Schulsozialarbeit, aber es sind hohe Kosten und wir müssen noch klären, wo das Geld herkommen soll.“
An dieser Frage scheiterte im Dezember die gemeinsame Entscheidung von Jugendhilfe und Schulausschuss, die CDU-Fraktion beantragte Vertagung.
Ziele des neuen Konzeptes für Schulsozialarbeit sind daher neben der Arbeit an aktuellen Problemen auch Präventionsmaßnahmen wie Kompetenztraining oder Konfliktlösungsstrategien mit Schülern.
Carsten Meincke sieht sich vor allem als Ansprechpartner für die Betroffenen. Ein Kind berichtete mir: „Meine Mutter liegt zu Hause nur auf dem Sofa und schläft viel.“ Gemeinsam erarbeitet der Sozialarbeiter in solchen Fällen mit dem Schüler Lösungsstrategien. Und Meincke fragt die Kinder „Darf ich mal mit deiner Mutter darüber sprechen?“ Elternarbeit gehöre seiner Meinung nach mit zur Schulsozialarbeit wie auch Gespräche mit Lehrern und Erziehungsberechtigten bei schwierigen Klassensituationen.
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