Trauer um alte Tischlerei in Garstedt

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So sah die alte Tischlerei an der Ochsenzoller Straße in Garstedt vor dem Abriss aus.
 
SPD-Sprecher Thomas Jäger vor dem Schutthaufen, der von der alten Tischlerei noch übrig geblieben ist. Foto: bf

Abriss des historischen Gebäudes ruft Kommunalpolitiker auf den Plan

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Und wieder hat Norderstedt ein Stück seines Stadtbildes verloren, bedauert SPD-Sprecher Thomas Jäger. Die alte Tischlerei an der Ochsenzoller Straße 132 (Ecke Berliner Straße) in Garstedt steht nicht mehr.
Eigentümer Plambeck hat das historische, 100 Jahre alte Gebäude abgerissen. „Es musste diesen Wohnkuben mit Backsteinfassaden weichen, die jetzt überall als so genannte Stadtvillen aus dem Boden sprießen“, weiß Jäger. 560.000 Euro würde eine Luxuswohnung kosten, hat er gehört. Für den hinteren Bereich der Tannenhofstraße sei an dieser Planung an sich auch nichts auszusetzen. Schade sei es nur um das historische Stadtbild der mit 40 Jahren noch jungen Stadt Norderstedt, das immer mehr von Neubauten ersetzt werde. „Für viele Menschen im Stadtteil verschwindet damit auch ein greifbarer Teil ihrer Erinnerungen an das alte Garstedt, den Ursprung unserer Stadt.
Es geht somit auch um die Zukunft unserer Vergangenheit“, bedauert SPD-Vorsitzende Katrin Fedrowitz. In jüngster Zeit sei es verstärkt feststellbar, dass historische Altbauten vernachlässigt werden oder gleich der Abrissbirne zum Opfer fallen, kritisiert sie. Die Argumente der Eigentümer und Investoren, dass sich ein Erhalt oder eine Sanierung nicht lohne und nicht mehr wirtschaftlich sei, könne sie einerseits nachvollziehen.
Eine Modernisierung der alten Bausubstanz sei teurer als gleich neu zu bauen – nach den heutigen Standards von Komfort und Wärmedämmung, heißt es.
Doch die Auseinandersetzung zwischen den Interessen der Denkmalpflege und wirtschaftlicher Bedenken müsse zum Wohle der Stadt offensiv geführt werden, fordert Katrin Fedrowitz.
Es gebe auch positive Beispiele, wo dies gelungen sei, führt sie die Sanierung vom „Ellerbrocks Gasthof“ im Friedrichsgabe an. „Dort ist der Einklang mit der Geschichte eines Hauses und dem wirtschaftlichen Interesse des Eigentümers gelungen“, findet die SPD-Vorsitzende. Bis auf die Fassade sei das gesamte Gebäude abgerissen und dann völlig neu aufgebaut worden. „So konnte der Charakter des Gebäudes gerettet werden“, lobt Fedrowitz. Eine ähnliche Lösung hätte sie sich auch für das Gründerzeit-Haus an der Ochsenzoller Straße gewünscht.

Sommerloch?
Axel Trennt, Geschäftsführer der Immobilienfirma Plambeck, versteht diese Aufregung nicht. Seit Jahren sei den Stadtvertretern diese Planung bekannt, das Haus sogar als abgängig im Flächennutzungsplan eingetragen. Kein Politiker habe Einwände erhoben, wundert sich Trennt über diese „Sommerloch“-Debatte. Ein Erhalt des alten Gemäuers an dieser Stelle in unmittelbarer Nähe zum Herold-Center sei städteplanerisch schlicht nicht vorstellbar gewesen.
An der Ochsenzoller Straße würden in den nächsten Jahren 90 Wohnungen auf vier Geschossen errichtet. An der Tannenhofstraße noch einmal die gleiche Anzahl, so Trennt. Er betont: „Die Firma Plambeck hat bewiesen, dass sie alte Bausubstanz erhalten kann, wo dies sinnvoll ist.“ So ist der Lüdemannsche Hof zum heutigen Feuerwehrmuseum umgebaut, die alte Zentrale des Unternehmens in Garstedt erhalten worden. „Als am Buchenweg und in der Niendorfer Straße jüngst alte Höfe abgerissen wurden, hat sich kein Politiker oder Denkmalschützer gemeldet.“ (bf)
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