„Untragbarer Zustand“

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Nassoma Noureni und sein 12-jähriger Sohn Achiraf klagen darüber, dass der Fahrstuhl mal wieder kaputt ist. Im Hintergrund sind die zerstörten Briefkästen zu sehen. Foto: Jaeger

Mieter müssen mit Schimmel und Zerstörung leben

Von Renate Jaeger
Kaltenkirchen. Ute Langeloh sitzt mit ihrer 14 Jahre alten Tochter Franziska vor der Eingangstür des Hochhauses am Flottmoorring in Kaltenkirchen und genießt die Nachmittagssonne. Die Hausfrau ist schlecht zu Fuß und hat Asthma. „Die Umstände hier sind untragbar“, klagt sie. „Überall ist Schimmel, durch Fenster und Türen pfeift der Wind.“
Das Schlimmste sei, dass an jedem zweiten Tag der Fahrstuhl streikt. Heute ist das wieder der Fall. Ute Langeloh braucht eine halbe Stunde, um über die Treppe in ihre Drei-Zimmer-Wohnung im neunten Stock zu gelangen. Sie ist total sauer auf den Eigentümer Gerd Thormählen: „Er lässt das Haus vergammeln.“
Auch Nassoma Noureni, geboren in Togo, seit einiger Zeit arbeitssuchend und seit zwölf Jahren Mieter im „Großen Karl“, prangert wie die meisten der 230 Bewohner des Hauses die Missstände an: „Es gibt viele Sicherheitsmängel, ich zahle die Miete nicht mehr.“
Neben dem Fahrstuhl im Haus A hängen zerstörte Briefkästen an der mit Graffiti besprühten Wand. Sie haben das Feuer, das Unbekannte vor einiger Zeit legten, nicht überstanden. Die Kästen sind offen. Ein Zettel, adressiert an die „Mieterinnen und Mieter des Hochhauses“, liegt auf dem schmutzigen Boden. Absender: Stadt Kaltenkirchen, der Bürgermeister. Datum 30. August 2012. „Wie Ihnen bereits bekannt sein müsste, wurde das Mietobjekt, in dem Sie wohnen, mit Kaufvertrag vom 16. 6. 2012 an die Schöner Wohnen GbR verkauft“, heißt es auf dem von Bürgermeister Hanno Krause unterzeichneten Din A-4-Blatt. „Der Eigentümerwechsel war zwingend notwendig, da Herr Dr. Thormählen als Eigentümer und Vermieter des Hauses die gravierenden Sicherheitsmängel trotz intensiver Aufforderungen und Zwangsmaßnahmen der zuständigen Behörden nicht behoben hat.“
Hanno Krause, seit dem 1. Januar dieses Jahres im Amt, hatte sich von Anfang an bemüht, Ordnung in das Chaos im „Großen Karl“ am Flottmoorring zu bringen. So soll der Eigentümerwechsel offziell zwar erst zum Jahreswechsel erfolgen, aber Kaltenkirchens Verwaltungschef will sich bemühen, dass der Wechsel wesentlich früher erfolgt „um schnellstmöglich die extrem schlechten Wohnverhältnisse zu verbessern“.
Hinter der Firma „Schöner Wohnen GbR“, so heißt es, sollen zwei iranische Geschäftsleute stehen, die auch schon ein Hochhaus in Uetersen, dass Thormählen gehörte, sanieren. Der Kaufpreis für den „Großen Karl“ soll etwa 1,5 Millionen Euro betragen, die Dauer der Sanierung mindestens drei Jahre. Die Stadtverwaltung will die Mieter des maroden Hochhauses Ende September zu einem Informationsgespräch einladen. (rj)
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