„Weihnukka“

Anzeige
Tamara (v.l.), Ayala, Andreas und Rimona Nagel zünden Chanukka Kerzen an Foto: now

Eine Familie lebt christliche und jüdische Feste

Norderstedt Auf dem Tisch steht der Adventskranz mit zwei Kerzen, daneben entzündet Ayala Nagel (47) sechs Kerzen an ihrem Chanukka-Leuchter. Mit ihren Töchtern Tamara (15) und Rimona (12) feiert die Vorsitzende des Vereins „Chaverim – Freundschaft mit Israel“ das jüdische Lichterfest. In diesem Jahr liegt Chanukka mitten in der Vorweihnachtszeit, am zweiten Adventssonntag zündeten überall auf der Welt jüdische Gläubige die erste Kerze an ihrer Chanukkia an, am 14. Dezember die achte und letzte. Gefeiert wird die Befreiung des heiligen Tempels in Jerusalem von den Griechen, 164 vor Christus. Der Termin ist am 25. Tag des Monats Kislew und damit immer rund um das christliche Weihnachtsfest herum.
In der Norderstedter Familie werden beide Feste gefeiert. Ayalas Mann Andreas ist Christ, sie und die Töchter gehören zur jüdischen Gemeinde. „Es gibt viele Gemeinsamkeiten“, erzählt die Israelin. „Beide Feste werden mit Licht und Kerzen gefeiert und möglichst mit der ganzen Familie. Bei uns feiern wir ,Weihnukka‘“, sagt sie schmunzelnd. Landesrabbiner Shlomo Bistritzky hätte es gerne getrennter: „Die Feste sind fast zu gleicher Zeit, das ist ein Vorteil. So können Eltern ihren Kindern erklären: Die Christen feiern Weihnachten, wir feiern jetzt Chanukka.“

Hauptgeschenke zu Weihnachten


Jüdische Kinder bekommen an Chanukka kleine Geldgeschenke. Die können sie behalten oder sie für einen guten Zweck auszugeben. „Das ist die Idee von Chanukka: Man bringt Licht auf die Welt und Gutes ist auch Licht“, so Bistritzky. Auch bei Familie Nagel bekommen die Töchter kleine Geschenke. Tamara: „Das ist eher so wie hier zu Ostern.“ Die Hauptgeschenke gibt es zu Weihnachten. „So wie es eben auch bei allen Freundinnen der Mädchen ist“, sagt Papa Andreas. Chanukka bedeutet dagegen acht gemeinsame Familien-Abende, an denen mit einem Gebet die Kerzen entzündet werden, in Öl gebackene Leckereien auf dem Tisch stehen und gespielt wird. Der Schin, ein vierseitiger Kreisel, darf dabei nicht fehlen. Gespielt wird um Schokomünzen in Goldpapier, passend zu den anderen Geldgeschenken.
Beim musikalischen Chanukka-Abend in der Vicelin-Kirche hat Ayla gerade über 100 Besucher an ihrer Tradition teilhaben lassen - darunter Stadtpräsidentin Kathrin Oehme und Kulturpreisträgerin Christa Heise-Batt. Neugier und Interesse an anderen Religionen möchten die Nagels auch ihren Töchtern mitgeben. Und so freuen sich jetzt nach Chanukka alle auf Weihnachten, das die Familie traditionell bei den Großeltern der Mädchen feiert. (now)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige