Weiterbau der A20: Kritik am Landesbeschluss

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Die A20 soll nach dem Beschluss der neuen Landesregierung in Kiel nur bis zur A7 gebaut werden. Fotos: Fuchs
 
Heinrich Ritscher (links) und Rolf Döring vom Unternehmensverband: Ohne A20 keine Standort-Entwicklung.

Wirtschaft hält die A20 für notwendig / BUND fürchtet um Fledermäuse

Norderstedt/Kiel. Die Wirtschaftsverbände kritisieren den Beschluss der neuen Landesregierung, in den nächsten fünf Jahren den Weiterbau der A20 nicht bis zur Elbe anzustreben. SPD und SSW hätten ihr Wahlversprechen aufgegeben, bedauert Lutz Bitomsky vom Unternehmensverband Unterelbe-Westküste. „Wir sind enttäuscht und verärgert“, sagt der Vorsitzende des Verbandes, dem von Norderstedt bis Sylt 400 Betriebe mit 36.000 Mitarbeitern angehören.
Auch das A7-Wirtschasftsbündnis Nordgate, dem die sechs Kommunen entlang der A7 zwischen Norderstedt und Neumünster angehören, appelliert an die Landesregierung, am Weiterbau dieser Autobahn bis nach Glückstadt und dem dort geplanten Elbtunnel festzuhalten. „Eine gute Verkehrsanbindung ist von maßgeblicher Bedeutung für die zukünftige Attraktivität unserer Region“, heißt es in einer Erklärung der Bürgermeister und Wirtschaftsförderer aus Quickborn, Bad Bramstedt, Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg, Neumünster und Norderstedt.
Dies gelte nicht nur für eine gute Nord-Süd-Trasse. Die fehlende Ost-West-Verbindung müsse weiterhin „mit Hochdruck vorangetrieben“ werden. „Eine vom Elbtunnel in Hamburg unabhängige Anbindung an die Märkte Westdeutschlands und Europas ist von existenzieller Bedeutung für unsere Unternehmen“, so die Nordgate-Bürgermeister in einer gemeinsamen Erklärung.
Heinrich Ritscher, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes, sagt: „Nur die konsequente Weiterführung der A20 im Zusammenhang mit der festen Elbquerung bis nach Niedersachsen ermöglicht den Unternehmen der Region eine zukunftsorientierte Standortentwicklung und bessere Stellung im internationalen Wettbewerb.“
Sollte das bereits laufende Planfeststellungsverfahren für die A20 gestoppt werden, wäre dies eine mittlere Katastrophe.
Die Landesregierung hat allerdings angekündigt, das Planverfahren für die A20 zu Ende führen zu wollen. Bis 2017 sei ohnehin nur die A20 zwischen Bad Segeberg und Bad Bramstedt im Bundesverkehrswegeplan aufgeführt, begründet die Regierungskoalition von SPD, Grünen und SSW ihren Beschluss. Das seien 30 Kilometer. Die vorherige schwarzgelbe Landesregierung habe in ihrer Regierungszeit nicht einmal die Hälfte geschafft.
Aber auch dieser Zeitplan könnte noch hinfällig werden. Umweltschützer haben angekündigt, gegen den Bau der A20-Trasse quer durch ein europäisch geschütztes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet im Kreis Segeberg klagen zu wollen, das Fledermäusen als Rückzugsgebiet dient. „Das ist aus Sicht des Naturschutzes nicht zu akzeptieren“, sagt Norderstedts BUND-Vorsitzender Herwig Niehusen.
Die Finanzierung des A20-Elbtunnels, der mit privaten Mitteln aufgebracht werden soll, ist ebenfalls noch ungeklärt. Nach aktuellen, bislang internen Berechnungen des Bundesverkehrsministeriums würde dieser zweite Straßentunnel unter der Elbe mit 1,2 Milliarden Euro Baukosten 300 Millionen Euro teurer als erwartet. Für die öffentliche Hand, die den Tunnel dann mieten würde, liefen demnach Gesamtkosten in 25 Jahren von bis zu vier Milliarden Euro auf. (bf)
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