Wie lebt es sich mit zwölf Kindern?

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Der kleine Jesse macht das Dutzend der Familie Wulf voll / Das WochenBlatt auf Hausbesuch Foto Jaeger

Der kleine Jesse macht das Dutzend der Familie Wulf voll / Das WochenBlatt auf Hausbesuch

Von Renate Jaeger
Henstedt-Ulzburg/Bokel. Am Sonntagvormittag hat Malte seinen großen Auftritt. Alle Familienmitglieder sind dabei, als der 14-Jährige in der Dorfkirche von Brande-Hörnerkirchen konfirmiert wird. Später, bei der Feier mit Großeltern, Freunden und Bekannten zu Hause in Bokel, ist jedoch sein kleiner Bruder Jesse im Mittelpunkt. Stolz hält Mutter Sabine Wulf den Kleinen im Arm, der am 18. April in der Paracelsus-Klinik in Henstedt-Ulzburg das Licht der Welt erblickt hatte.
Jesse ist das zwölfte Kind von Rainer (42) und Sabine Wulf (39). Das fröhliche Dutzend! Nach fünf Mädchen und sieben Jungen soll es nun keinen weiteren Nachwuchs geben. „Darüber sind mein Mann und ich einig, jedes Kind braucht Liebe und Nähe, keines darf auf der Strecke bleiben“, sagt die ausgebildete Verwaltungsfachangestellte. Bis zur Geburt des ersten Kindes arbeitete Sabine Wulf beim Einwohnermeldeamt in Kaltenkirchen, seit 18 Jahren ist sie in Elternzeit. Heizungs- und Gasinstallateur Rainer Wulf hat vor 17 Jahren den elterlichen Bauernhof übernommen und das Anwesen zu einem schmucken Haus mit 320 Quadratmeter Wohnfläche umgebaut. Jedes Kind im schulpflichtigen Alter hat im ersten Stock sein eigenes Zimmer. Hannah (18), Auszubildende im Justizverwaltungsdienst, und Jan (17), der im August eine Lehre als Zimmermann beginnt, leben im Anbau in einer Dreizimmer-WG.
Geplant waren drei...
Die Waschmaschinen im Hause Wulf laufen rund um die Uhr, fürs Aufräumen sind die schulpflichtigen Kinder selber verantwortlich. Ehemann Rainer, montags bis freitags von sechs bis 17.30 Uhr außer Haus, kauft beim Discounter ein, Sabine besorgt die restlichen Lebensmittel. Sie ist die „Finanzministerin“. „Mit 400 Euro in der Woche komme ich aus“, versichert sie.
Rainer und Sabine wuchsen in Kisdorf unweit von Henstedt-Ulzburg auf. „Wir kennen uns seit ewigen Zeiten“, erzählt der ehrenamtliche Löschmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr Bokel. Später, bei einer Feuerwehr-Rallye, lernten sie sich näher kennen und lieben. Hatten sie den Kindersegen geplant? „Nein“, antwortet Ehemann Rainer. „Ich wollte zwei, Sabine drei Kinder. Aber wir haben nichts bereut, wir lieben alle zwölf.“ Hanna, die Älteste, Jan und Malte kamen in der Paracelsus-Klinik in Kaltenkirchen zur Welt, die anderen in der Para-Klinik in Henstedt-Ulzburg. Fünf Kinder besuchen die Waldorfschule in Elmshorn, zwei die Gemeinschaftsschule. Für Hin- und Rückweg ist alles bestens geregelt. Als das siebte Kind kam, schickte ihnen der damalige Bundespräsident Horst Köhler ein Glückwunschschreiben nebst Urkunde.
Abfällige Bemerkungen anderer Menschen über die große Kinderschar hat es bisher nicht gegeben. „Ab und zu dreht sich bei Zoobesuchen mal einer um und fängt an zu zählen“, so Mutter Sabine. „Viele Geschwister bringen Vor- und Nachteile“, gesteht Hannah. „Positiv ist, dass immer einer zu Hause ist, ich bin nie einsam. Aber wenn ich mal meine Ruhe haben will, kommt ständig einer ins Zimmer gelaufen.“
Die Eltern der großen Kinderschar haben einen Wunsch: Sie möchten irgendwann einmal verreisen und für sich alleine sein. Bisher hat die Familie immer gemeinsam geurlaubt. Letztes Jahr waren sie mit ihrem 14-Sitzer für zehn Tage auf der Insel Sylt. Nächstes Jahr geht es wieder an die Nordsee - und alle fahren mit.
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