Wilde Ponys als Landschaftspfleger

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Menschen kennen die robusten Wildpferde nur aus der Ferne, entsprechend hält sich ihre Neugier in Grenzen Foto: Claudia Blume

Im Glasmoor bei Tangstedt leben drei Koniks, von der Zivilisation abgeschnitten. Die übrige Tierwelt profitiert davon

Von Claudia Blume
Tangstedt. Einen Stall haben die drei Hengste noch nie gesehen, Halfter und Sattel kennen sie nicht und auch nicht den Geschmack von Möhren und Leckerlis. Kein Wunder, denn die Wildpferde leben nahezu ohne Menschenkontakt im Glasmoor am Tangstedter Forst.
Es sind sechs- und siebenjährige Konik-Hengste, deren Abstammung auf Tarpane zurückgeht, die bis ins Jahr 1800 in Wald- und Sumpfgebieten Ostpolens und Litauens lebten. Aus ihnen züchteten Bauern Koniks, übersetzt: kleine Pferdchen. Die etwa 130 Zentimeter großen Tiere sind meistens mausgrau mit charakteristischem Aalstrich auf dem Rücken und Zebrastreifen an den Beinen als verbliebene Wildmerkmale. Seit den 80er-Jahren werden die genügsamen Ponys im Naturschutz eingesetzt – so auch auf einer 43 Hektar großen Fläche im Glasmoor. Dort sind sie zusammen mit 22 Galloway-Ochsen als Landschaftspfleger tätig.

Lebensräume für bedrohte Arten

„Und sie machen ihren Job gut“, wie Dirk Andresen vom Verein Weidelandschaften bestätigt, der die Fläche gepachtet hat. Durch ihr spezielles Fressverhalten halten sie die Landschaft offen und schaffen wertvolle Lebensräume für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Nutznießer im Glasmoor sind Vogelarten wie Schwarzkehlchen und Flussregenpfeifer sowie viele Amphibienarten. Neben Ringelnatter und Moorfrosch finden vor allem Kreuzkröten paradiesische Zustände vor. In Projektarbeit wurden für die bedrohten Tiere seit 2009 ehemalige Ackerflächen an der Schleswig-Holstein-Straße von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in eine wilde Kieskuhlen- und Dünenlandschaft verwandelt.
„Durch ihre Aktivität schaffen Pferde und Rinder einen offenen Rohboden, den Pflanzen zur Keimung und Amphibien zum Leben brauchen“, erklärt Ute Ojowski von der Stiftung. Während die wachsende Krötenpopulation in den kalten Monaten in Winterstarre fällt, trotzen Galloways und Koniks auch tiefen Temperaturen. Zu Fressen finden sie immer etwas, seien es Binsen, Baumrinde oder Brombeerranken. Zudem wird bei Schnee und Eis Heu zugefüttert. Einen Tierarzt sehen sie nur bei schweren Verletzungen, kleine Wunden durch Bisse und Tritte verheilen allein. Durch die ständige Bewegung auf dem Sandboden pflegen sich ihre Hufe von selber.
„Vor zwei Jahren hatten wir einmal den Hufschmied zur Kontrolle da“, sagt Dirk Andresen, dessen Mitarbeiter wöchentlich nach dem Rechten schauen. Wer die Ponys beobachten möchte, braucht ein gutes Fernglas und viel Geduld. In dem weitläufigen Gelände sind sie nur schwer auszumachen, zumal sie nicht die Nähe von Menschen suchen. Die drei Hengste kamen als Jährlinge ins Glasmoor. Zuvor wuchsen sie in der „Geltinger Birk“ auf. Auf der Halbinsel zwischen Flensburg und Kappeln leben über 60 Koniks auf 450 Hektar. Jedes Jahr am 1. November werden junge Pferde vor Publikum eingefangen und an private Pferdefreunde verkauft oder an andere Naturschutzprojekte abgegeben.
wildpferde-geltinger-birk.de
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