Bahn frei für Schüler aus Hamburg

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Symbolfoto: thinkstock

Schwimmunterricht von Teenagern durch Sponsor doch noch möglich

Von Stefanie Nowatzky
Hamburg. Stolz können die Schüler der Internationalen Vorbereitungsklasse der Stadtteilschule Grellkamp jetzt vier Schwimmabzeichen vorweisen. Dass die 15- bis 18-jährigen Jungen und Mädchen überhaupt schwimmen lernen durften, ist der Initiative ihrer Lehrerin Bettina Schregel zu verdanken. Sie sind erst kurz in Deutschland. Für diese Altersklasse gibt es keinen verpflichtenden Schwimmunterricht mehr - und damit kein Geld von der Schulbehörde.
Schwimmen lernen ist auch ein Beitrag zur Integration, findet Schregel und wollte trotzdem Kurse durchsetzen. Und die Schüler reagierten begeistert: „Wenn ich nicht schwimmen kann, werde ich immer Angst vor dem Wasser haben“, erklärt der 16-jährige Pedros, warum er zu jedem Termin pünktlich am Becken war.
Für die muslimischen Mädchen galt es ein besonderes Problem zu lösen: Die Eltern erlauben keinen gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungs - auch nicht in der langen Badekleidung, dem Burkini, der in den Schwimmkursen für Grundschüler vorgesehen ist. Also mussten getrennte Kurse vereinbart werden.
Lehrerin Bettina Schregel wollte ihren Schülerinnen trotzdem die Chance ermöglichen. Etwas über 1000 Euro kostet der Unterricht für alle. Auf die Bitte um Unterstützung reagierte die Schulbehörde nicht. „Die Hamburger Schüler der allgemeinbildenden Schulen schwimmen im aktuellen Schuljahr verpflichtend in Klassenstufe 3 oder 4 sowie in Klassenstufe 6 jeweils ein halbes Schuljahr“, so Behördensprecher Peter Albrecht auf Nachfrage des Wochenblattes. „Wir haben Schulen bei ihren Schwimmkonzepten beraten“, so der Behördensprecher weiter. Doch die Stadtteilschule Grellkamp mit ihrem Projekt für die internationalen Klassen erhielt nicht einmal eine Antwort. Nach längerer Suche fand sich mit dem Hamburger Abendblatt ein Sponsor, aufgeteilt auf einen Jungs- und einen Mädchenkurs übten die Schülerinnen und Schüler in der Schwimmschule Niendorf und im Arriba. Für Lida aus Afghanistan und Elnaz (beide 18) aus dem Iran steht demnächst die Prüfung zum Schwimmabzeichen Bronze, dem früheren Freischwimmer an. Sie haben ihre Angst vor dem Wasser überwunden. Jetzt gibt es Bewegung bei der Behörde. „Ab dem kommenden Schuljahr erhalten nach Hamburg zuziehende Schüler der Klassen 5-10, die über keine Schwimmkenntnisse verfügen, von der Schulbehörde einen Schwimmkurs-Gutschein“, verspricht Peter Albrecht. Bettina Schregel möchte ihre Schüler weiter zum sicheren Schwimmen animieren, befürchtet aber, dass ohne Begleitung besonders die Mädchen nicht schwimmen lernen werden und der Gutschein verpuffen wird. Ihr Schüler Pedros braucht keine Angst mehr vor dem Wasser zu haben. Er hat sein Bronze-Abzeichen schon fest in der Tasche.
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