Das kunstverrückte Haus

Wann? 16.05.2012 19:30 Uhr

Wo? Parkresidenz Rahlstedt, Rahlstedter Straße 29, Rahlstedt, 22149 Hamburg DE
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Hamburg: Parkresidenz Rahlstedt | Von Katharina Joanowitsch
Da ist zunächst nur ein leeres Grundstück, darin eine lehmige Kuhle. Ein Mann beginnt den Ton abzubauen, zu Ziegeln zu formen. Er lässt sie in der Sonne trocknen und brennt sie dann in seinem Keramikofen. Er schreitet seinen Grund ab, umreißt mit Schritten die innere Vision geplanter Räume, seinen eigenwilligen Grundriss. Dann häuft er Stein um Stein zu Wänden, gruppiert sie zu Räumen, überdeckt sie mit Balken, türmt ein weiters Stockwerk darüber. Statik? Interessiert ihn nicht. Er schafft schiefe Winkel und Erker, Innenhof und Galerie, Treppen und weit aufragende Giebel. Ganze 18 Meter misst später der höchste Giebel. Rechts und links der Einfahrt postiert er ein Wächterpaar, eine männliche und eine weibliche kauernde Figur. Auf einer Balkonbrüstung ragt eine Frauengestalt in den Himmel, ihr Blick schweift über Stormarner Weideland mit grasenden Kühen, dahinter die Silhouette der nahen, großen Stadt. Dieser Mann heißt Heinrich Steinhagen, eigenwilliger Maler, Bildhauer, und Grafiker. Der Gründer der Hamburger Secession, Sein Oeuvre umfasst fast 1000 Werke, sein größtes und umfassendstes: seine Lehmburg. Als er 1920 sein Mammutwerk beginnt, ahnt er noch nichts vom bitteren Schicksal dieses Gesamtkunstwerks. Es wird Gewitterschlag und Feuer, auch den 2. Weltkrieg überstehen, nicht jedoch städtebauliche Planungen. So wird diese einzigartige Kunststätte 1963 „in die Kuhle zurückgeschoben, aus der (sie) entstanden war“. (Zitat nach Karin v. Behr) Nach Steinhagens Tod 1948 haben bis zum Abriss mehrere Künstler-Familien darin gewohnt, gemalt, getöpfert und musiziert. Zur Erinnerung an den Künstler Heinrich Steinhagen (1880–1948) und anlässlich der öffentlichen Namensgebung „Steinhagenweg“ ist es auf Initiative der drei Rahlstedter Vereine – Bürgerverein, Kulturverein, KulturWerk – gelungen, eine umfangreiche Ausstellung von Werken zusammenzutragen. Durch großzügige Sammler und Freunde Steinhagens ist es den Rahlstedtern drei Wochen lang möglich, Ölgemälde, Radierungen, Aquarelle und das Modell seines Hauses zu betrachten.
(Die Autorin ist Mitglied im KulturWerk Rahlstedt e.V.
www.kulturwerk-rahlstedt.de)

Mittwoch, 16. Mai,
19.30 Uhr, Parkresidenz Rahlstedt, Rahlstedter Straße 29.
Werksgespräch „Heinrich Steinhagen“ mit dem Urenkel Steinhagens, Benedikt S. Scheper und Lothar Stolte, einer der letzten Bewohner des Steinhagenhauses.
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