Feuerwehr Rahlstedt braucht mehr Platz

Anzeige
Die Rahlstedter Feuerwehr bei der 100-Jahr-Feier Foto: FF Rahlstedt
 
Dominique Meyberg und Anika Wenz sind Oberbrandmeisterinnen Foto: wb
 
In den Besprechungsraum „unterm Dach“ dürfen nur zehn Personen Foto: Jacoby / wb
Hamburg: Brockdorffstraße 22 |

Unfallkasse rügt Mannschaftsraum. FF hofft auf Unterstützung aus der Politik

Von Thomas Oldach
Rahlstedt
Sie werden jährlich zu rund 200 Einsätzen gerufen, sollen auf dem neuesten Stand der Technik sein, im mit mehr als 90.000 Einwohnern größten Stadtteil Hamburgs retten, löschen, helfen. Doch die Freiwillige Feuerwehr Rahlstedt ist stationiert in einem Haus, das bereits mehr als 100 Jahre alt und damit alles andere als zeitgemäß ist. Jetzt brauchen die Retter eine angemessene Unterkunft, die ihren von Jahr zu Jahr steigenden Anforderungen gerecht wird.

Bauliche Mängel

Der Wunsch nach einem Neubau besteht schon einige Zeit, doch nun haben eine Überprüfung der Räume durch die Feuerwehrunfallkasse sowie die Anforderungen im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel das Fass bei den Rettern zum Überlaufen gebracht. Im zweiten Stock des Gebäudes hat man sich einen Unterrichtsraum für die aktuell 40 aktiven Mitglieder eingerichtet. Doch nach Prüfung durch Experten, dürfen den nur zehn Personen gleichzeitig betreten. Grund: Bauliche Mängel und ein fehlender zweiter Rettungsweg. Im Rahmen der G20-Tage waren dort zudem zwei Rettungssanitäter der Berufsfeuerwehr, die ebenfalls Räume im Gebäude nutzt, untergebracht. „Gerne hätten wir den Kollegen mehr Komfort geboten, so war die Unterbringung in unseren Räumen aber nur spartanisch und aus Sicht der Unfallverhütung in Teilen gefährlich“, sagt Wehrführer Sebastian Bierdel.

Genug Platz für Neubau vorhanden

Und sein Vertreter Leander Grasteit ergänzt: „Auch die Mitgliederversammlungen können wir nach der jüngsten Begehung des Gebäudes im bisherigen Umfang vergessen. Sollen wir dafür etwa in die Fahrzeughalle ausweichen? Da passen schon kaum noch unsere Einsatzfahrzeuge hinein.“ Bierdel und Brandinspektor Grasteit appellieren an die Kommunalpolitik aktiv zu werden: „Das jetzige Feuerwehrhaus unterliegt weder dem Denkmal- noch dem Milieuschutz. Und: Auf dem rückseitigen stadteigenen Grundstück wäre genug Platz für einen Neubau.“ Natürlich muss dafür Geld in die Hand genommen werden. Aber vielleicht geht ja in absehbarer Zeit etwas für die Retter – schließlich ist Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz im Stadtteil aufgewachsen.

Wie alles begann

Alles fing an mit einer großen Bogenpumpe, Schlauchmaterial und 14 Mitgliedern am 29. Juni 1882 – dem Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Altrahlstedt. Heute, 135 Jahre später, sind es 40 Mitglieder, zwei technisch auf dem neuesten Stand ausgerüstete Fahrzeuge – und 15 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr. Frauen und Männer gehen gleichberechtigt für ihren Stadtteil und dessen Bewohner „durchs Feuer“. Natürlich ehrenamtlich! Die Organisation der Brandbekämpfung lag im Mittelalter bei den Kirchspielen, die jeden ihrer Bürger zur Mitarbeit verpflichtete. Von 1625 an wachten ständig je zwei „Thürmers und Tüters“ auf den fünf Kirchtürmen der Kirchspiele. Nachts mussten die Brandwächter alle Viertelstunde in alle vier Himmelsrichtungen ins Horn blasen, damit jeder Bürger sich davon überzeugen konnte, dass sie auch Wacht hielten. Als erste Stadt Deutschlands bildete Hamburg 1750 weitere ständige Feuerwachen. Jede Nacht übernahmen zwei Aufseher und 25 „Sprützenleute“ den Wachdienst. Insofern war Rahlstedt erst spät dran mit seiner eigenen Feuerwehr. Doch auch dort war 1880 schon eine „Zwangsfeuerwehr“ gegründet worden. Praktisch alles, was laufen und einen Schlauch tragen konnte, musste mit anpacken. Nach den Alt-Rahlstedtern zogen die Neu-Rahlstedter nach, denn der Stadtteil wuchs. 1907 wurde dort eine eigene Freiwillige Wehr gegründet, die sich Ende der 1930er-Jahre mit den „Gründer-Rettern“ zusammenschloss. Die brachte auch eine Handdruckspritze sowie eine Saugpumpe mit „in die Ehe“.

Eingeschworene Truppe

Von den Fahrzeugen, die heute zur Verfügung stehen, konnte man damals nur träumen: Dort stehen ein MAN-Löschfahrzeug vom Typ 16/12 (niedrige Bauart, Baujahr 1998) und ein Mercedes-Benz/Magirus LF-KatS (auch niedrige Bauart von 2014). Obgleich die Fahrzeughalle und das gesamte Gebäude noch den „Charme“ der Gründerzeit verströmen – Feuerwehrhaus mit Schlauchturm wurde 1906 gebaut – machen die ehrenamtlichen Retter das Beste aus ihrer Situation. „Hier steht jeder für jeden ein. Wenn wir gerufen werden, können wir auch tagsüber auf rund 30 Prozent unserer Kräfte zurückgreifen“, sagt Wehrführer Sebastian Bierdel (34). Nicht nur darauf ist er stolz: „Nachwuchsprobleme kennen wir nicht. Allein in den vergangenen drei Jahren konnten wir zehn Neuzugänge verzeichnen. Dazu trägt auch unsere gute Jugendfeuerwehr-Abteilung bei.“ Sein Stellvertreter Leander Grasteit (39) pflichtet ihm bei: „Wir sind eine eingeschworene Truppe.“ Obwohl man damit wirklich keine Reichtümer verdienen kann. Es gibt lediglich eine Aufwandsentschädigung von 84 Euro pro Jahr für den Einsatz für die Gemeinschaft. Ergo verdient Bierdel seinen Lebensunterhalt als Elektromeister und Grasteit als selbstständiger Handwerker. Auch für die beiden Feuerwehrfrauen im Team ist das „Trinkgeld“ des Staates nicht wichtig. Dominique Meyberg (30, Prüfingenieurin) und Anika Wenz (35, Buchhalterin) sind seit den 1990er-Jahren im Feuerwehrwesen aktiv. „Für uns steht der Einsatz für das Gemeinwohl im Vordergrund. Außerdem fühlen wir uns in der Truppe wohl. Hier wird Gleichberechtigung gelebt und es gibt keinen Zickenkrieg“, sagen die Oberbrandmeisterinnen. 

Programm im Advent

Als eine von 86 Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg, die auch die Berufsfeuerwehr bei Bedarf unterstützen, sind die Rahlstedter Retter zuständig für Alt- und Neu-Rahlstedt sowie Hohenhorst. Weitere Wehren im Bezirk Wandsbek sind stationiert in Farmsen-Berne, Oldenfelde-Siedlung, Oldenfelde, Meiendorf und Marienthal.Da eine termingerechte Ausrichtung eines Festes zum 135. Geburtstag vor dem Hintergrund des G20-Gipfels leider ausfallen musste, will man nun aber zum traditionellen Fest am 3. Adventswochenende rund um den Tannenbaumverkauf besonders viel Elan an den Tag legen. „Schließlich geht es um die gute Sache und um Werbung für das Engagement für das Gemeinwohl in Rahlstedt“, sagt Bierdel. „Und wer weiß“, sagt Grasteit, „vielleicht haben wir bis dahin auch eine Zusage für einen Um- oder Neubau unserer Wache.“

Weitere Infos: Freiwillige Feuerwehr Rahlstedt
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige