Hamburg: Otto -Straße? Find‘ ich nicht gut

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Sechs Monate lang sollen zwei Straßenschilder die Umstellung erleichtern. Anlieger können sich in dieser Zeit kostenlos ummelden Animation/Foto: Frick/mt

Anlieger der bisherigen Wandsbeker Straße kritisieren Umbenennung

Von Marco Thielcke
Hamburg. Gianni Kunstmann denkt geschäftlich gern voraus. Bestellungen für Material in seinem Eiscafé an der Wandsbeker Straße gibt er immer in größeren Mengen auf. „Das ist meist billiger“, sagt der 26-Jährige. Die jüngste Bestellung steht im Keller der Eisdiele, verpackt in 22 Kartons: 40.000 Eisbecher aus Plastik warten hier auf ihren Einsatz, an der Seite sind Adresse und Telefonnummer aufgedruckt. Doch nun will der Hamburger Senat die Wandsbeker Straße in Werner-Otto-Straße umbenennen – und der Eismann hat ab 15. August die „falschen“ Daten auf seinen Bechern. Dann soll die neue Straße eingeweiht werden, zwei Tage nach dem Geburtstag von Unternehmer Werner Otto, der in diesem Jahr 105 Jahre alt geworden wäre. Am Bramfelder Firmensitz der Otto-Gruppe freut man sich, wie Unternehmenssprecher Thomas Voigt sagt: „Es ist eine sehr schöne Erinnerung an den Unternehmergeist des Gründers Professor Werner Otto.“
Doch neben Eismann Kunstmann finden auch andere Anlieger die neue Otto-Straße nicht gut. Autohändler Pedi Khadem: „Wenn wir mit dem neuen Straßennamen werben, denken unsere Kunden doch, dass wir umgezogen sind.“ Außerdem stört viele Anlieger, dass sie nicht nach ihrer Meinung gefragt wurden. Sie erfuhren von den Plänen durch einen Info-Flyer des Bezirksamts Wandsbek in ihrem Briefkasten. Auch die Linke kritisiert die Pläne des SPD-Senats: „Das Verfahren ist intransparent und hat mit Bürgerbeteiligung nichts zu tun“, sagt Julian Georg, Fraktionsvorsitzender in Wandsbek. Ungewöhnlich: Während einer Übergangsfrist von sechs Monaten sollen Schilder, die auf die 550 Meter lange Strecke verweisen, beide Straßennamen tragen. Laut Kulturbehörde können sich Anwohner und Gewerbetreibende in dieser Zeit kostenlos ummelden. Für Gianni Kunstmann ist das nur ein kleiner Trost. Er hat jetzt neue Eisbecher bestellt – diesmal aber ohne Adress-Aufdruck.
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