Publikum feiert John Neumeier

Wann? 09.12.2016 bis 17.12.2016

Wo? Große Theaterstraße 25, Große Theaterstraße 25, 20354 Hamburg DE
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Verlorene Jugend, Alexandr Trusch Foto: Kiran West
Hamburg: Große Theaterstraße 25 | Von Frank Denker-Kotowski
Hamburg-City
Fast alle Sinfonien und Lieder Gustav Mahlers hat John Neumeier bereits in Tanz umgesetzt. Mit dem „Lied von der Erde", nimmt sich der Hamburger Ballettintendant der „ergreifendsten und erhabensten Sinfonie von Gustav Mahler“ an, die er jahrzehntelang nicht zu choreografieren wagte. Mahlers Weltabschiedswerk entstand nach dem frühen Tod der ältesten Tochter und der Diagnose seiner Herzerkrankung. Die Bühne in Neumeiers eigener Ausstattung bleibt, bis auf drei symbolische Elemente, karg: ein Spiegel für das Leben über allem, ein Kreissegment im Hintergrund, das zunächst blau schimmert wie die Erde, sich wie ein Auge öffnet um rot und golden zu strahlen wie die Sonne und der Mond. Und um Neumeiers Lebenssymbolik zu vollenden, ein geneigtes Rasenstück.

Tosender Applaus

Von hier aus rutscht Alexandr Trusch in sein Leben, um es noch einmal zu betrachten. Als er sich die Hände vor das Gesicht hält, taucht sein Double, Karen Azatyan, auf. Aus dessen inniger Umarmung zieht er ins Getümmel des ersten Trinklieds, in das Getümmel seines Lebens. Sechs Lieder, aus der chinesischen Gedichte-Sammlung „Die Flöte“ entstanden, erzählen von verlorener Jugend, Lebenslust, Einsamkeit und Abschied. Trusch tanzt staunend, bisweilen mit kindlicher Freude und seltsamer Entfremdung, sein Leben beobachtend ohne eingreifen zu können, bis zum Abschied. Zum letzten Gruß naht sein Lebensdouble. Innig ineinander geschmiegt, muss er sich endgültig von seinem Ego trennen. Die Frau, die auch Mutter und die Erde sein kann (Hélène Bouchet), bringt den bergenden Tod. Zu den letzten Liedzeilen der Sinfonie übergibt sie Trusch einer menschlichen Welle, Symbol ewiger Wiederkehr des Lebens. John Neumeier ist es wieder einmal gelungen, trotz Kargheit und einiger symbolischer Klischees und trotz der langen Stille zwischen den Liedern, die die Spannung des Abends gefährlich auf die Probe stellen, das Publikum zu begeistern. Tosender Applaus und Bravos für das gesamte Ensemble.

Ausgezeichnete Stimmen

Großen Anteil am Gelingen hat die höchstsensible musikalische Leitung des Philharmonischen Staatsorchesters durch Simon Hewett, sowie die ausgezeichnet besetzten Gesangsstimmen mit Klaus Florian Vogt (Tenor) und Michael Kupfer-Radecky (Bariton).

Weitere Vorstellungen am Freitag, 9., Dienstag, 13., Donnerstag, 15., Sonnabend, 17. Dezember, jeweils 19.30 Uhr. Karten: Telefon 40 356 868 oder www.staatsoper-hamburg.de


Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ an der Hamburgischen Staatsoper gefeiert

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