Sehnsucht nach der Jugend

Nächster Termin: 26.05.2017 bis 21.06.2017

Wo? Hartungstraße 9-11, Hartungstraße 9, 20146 Hamburg DE
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Werden wieder ziemlich beste Freunde: Huckleberry Finn (Stephan Benson, l.) und Tom Sawyer (Hardy Krüger Jr.) Foto: Bo Lahola
Hamburg: Hartungstraße 9-11 |

„Die Jungs im Herbst“ an den Hamburger Kammerspielen mit Hardy Krüger Jr.

Von Miriam Flüß
Harvestehude
Die Maiskolben-Pfeife ist eingemottet, im Glas ist Milch statt Whiskey und neben dem Schaukelstuhl stapeln sich Bücher und Kreuzworträtsel: Sein Jugendfreund Huckleberry Finn ist zivilisiert worden, wie Tom Sawyer entsetzt feststellt. Im Herbst ihres Lebens treffen sich die ehemals rauf- und abenteuerlustigen Südstaaten-Jungs wieder. Die Annäherung zwischen Huck Finn, aus asozialen Verhältnissen stammend und mittlerweile Akademiker, sowie Tom Sawyer, der sich mit einer fahrenden Varieté-Bühne über Wasser hält, läuft mehr als holprig. In „Die Jungs im Herbst“ hat der US-amerikanische Autor Bernard Sabath den Helden aus Mark Twains Buch-Klassikern ein Erwachsenenleben angedichtet. Hardy Krüger Jr. und Stephan Benson geben in der Inszenierung von Christian Nickel die in die Jahre gekommenen Jungs 32 Jahre nach der deutschen Uraufführung, in der Hardy Krüger Senior auf der Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters stand. Idyllisch sieht es auf Hucks (Benson) Hügel mit Holzhaus, Bäumen und Schaukelstuhl aus, als Tom (Krüger Jr.) mit seinem mobilen Varieté-Theater angeknattert kommt. Doch der Schein trügt: Es sind die 1920er-Jahre mit Prohibition, am Horizont zeichnet sich bereits die Wirtschaftskrise ab. Und sowohl Huck als auch Tom tragen schwer an ihrer Vergangenheit. Diese offenbaren sie einander nach einem langen Anlauf des Wiedererkennens. Denn während Tom nach wie vor über ein eher schlicht-jungenhaftes Gemüt verfügt, ist Huck zu einem nachdenklichen Mann gereift.

Chemie der Schauspieler stimmt


Die Chemie zwischen Krüger Jr. und Benson in nostalgisch-heimeligem 20er-Jahre-Outfit funktioniert bestens, die teils schlichten und konstruiert wirkenden Dialoge schmälern das Vergnügen beim Zuschauen jedoch. Und die Hymne auf die Freundschaft, die mehr wert ist als jeder Schatz, erhält einen schalen Beigeschmack durch Sawyers sexuelle Neigungen: Nachdem er ein kleines Mädchen umarmte, das ihn an seine Jugendliebe Becky erinnerte, landete er in einer Anstalt und erhielt Elektroschocks. Traumatisiert von diesem Erlebnis und immer noch auf Becky fixiert, begleitet ihn in seinem Varieté-Wagen nun eine Puppe. Der Blues des Hamburger Musikers Abi Wallenstein liefert den Soundtrack zur Sehnsucht nach der vergangenen Jugend.

„Die Jungs im Herbst“: bis zum 11. Juni in den Hamburger Kammerspielen zu sehen, Infos und Karten auf www.hamburger-kammerspiele.de oder Telefon 41 33 440
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