Werner von Melle: Ein Hamburger Machtmensch

Wann? 23.02.2017

Wo? Grindelallee 26-28, Grindelallee 26, 20146 Hamburg DE
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Historikerin Myriam Isabell Richter mit ihrem Buch neben der Bronzefigur von Uni-Gründer Werner von Melle Foto: Hanke
 
Werner von Melle im Alter von elf Jahren Foto: privat
Hamburg: Grindelallee 26-28 |

Neues Buch über den Gründer der Hamburger Universität. Lesung am 23. Februar



Von Christian Hanke
Rotherbaum
Ohne ihn gäbe es die Uni Hamburg nicht oder zumindest noch nicht 1919. Werner von Melle (1853-1937), 1900-1921 Senator in Hamburg und Hamburger Bürgermeister 1915, 1918 und 1919, setzte sich wie kein Zweiter in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg für die Gründung einer Universität in Hamburg ein. Folgerichtig trägt der Uni-Campus heute seinen Namen: Von-Melle-Park. Jetzt liegt unter dem Titel „Der Mann und die Stadt“, Teil 1 der ersten Biografie über den Uni-Gründer vor, der seine Jugend- und ersten Berufsjahre als Anwalt und Journalist beschreibt. Der Titel des gesamten zweibändigen Werks lautet: Stadt – Mann – Universität. Hamburg, Werner von Melle und ein Jahrhundert-Lebenswerk. Die Hamburger Historikerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin Myriam Isabell Richter, 2012 mit dem Berenberg-Preis für Wissenschaftssprache ausgezeichnet, hat sie geschrieben.

Senatorenfamilie


Von Melle stammte aus angesehener Hamburger Familie, war Sohn eines Senators und der Tochter eines Senators. Er heiratete die Tochter des Kaufmanns Wilhelm Heinrich Kaemmerer. Eine glänzende Laufbahn schien ihm vorgezeichnet, zumal von Melle Jura studierte und sich mit 23 Jahren als Anwalt niederließ. Doch dieser Beruf lag ihm nicht, hat Richter herausgefunden. „Er interessierte sich für das große Ganze, sah die Verbindungen zwischen einzelnen Lebensbereichen. Er erfasste alle Dinge um sich herum sehr schnell. Ich nenne es panoramische Fähigkeit. Es genügte ihm nicht, sich auf die Verteidigung eines Menschen zu konzentrieren“, erzählt die Autorin.

Macht- und karrierebewusst


So nahm von Melle als 33-Jähriger das Angebot des Herausgebers der „Hamburger Nachrichten“ an, für diese Zeitung zu schreiben. „Da hatte er viel mehr Einfluss. Er bekam alle Freiheiten“, erzählt Richter – und erhielt die besten Einblicke in die Hamburger Politik und Gesellschaft. Fünf Jahre später wurde er Senatssyndicus, eine Position, vergleichbar dem heutigen Staatsrat. Außerdem wurde er ins Präsidium der Oberschulbehörde gewählt, deren Präses er ab 1904 war. Richter zeichnet das Porträt eines macht- und karrierebewussten, pragmatisch denkenden Hamburgers mit einem ausgeprägten Sinn für Kunst und Wissenschaft. Sie hat das 364 Seiten starke Buch durch farblich abgesetzte Zitate und viele Fotos sowie Unterteilungen übersichtlich gestaltet. Auch eine Karte mit den Orten seines Lebens, rund um die Alster, fehlt nicht. Werner von Melle wohnte unter anderem mit seinen Eltern in der Alsterterrasse und in seiner erfolgreichsten Zeit ab 1911 an der Winterhuder Straße Rondeel. Das Buch ist in der Reihe „Mäzene für Wissenschaft“ erschienen, die Ekkehard Nümann für die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung herausgibt, deren Begründer Werner von Melle war. Es kostet 59,80 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.

Leseung: Wer mehr über das Buch erfahren möchte, geht am Donnerstag, 23. Februar, 20 Uhr, in die Heinrich Heine Buchhandlung, Grindelallee 26-28. Da wird das Buch in einer inszenierten Spuren-„Lese“ zum 80. Todestag von Melles vorgestellt.
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