„Böse Dinge“ – reif fürs Museum

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Der Teletubbie aus dem Jahr 1998 wurde vom Markt genommen, weil er giftige Weichmacher enthält Fotos: Hörmann

Museum für Kunst und Gewerbe zeigt Geschmackloses, Giftiges und Scheußliches

St. Georg. Wie schafft es ein Teletubbie ins Museum?

Das Teil muss vergiftet sein – und zwar richtig. Voller Weichmacher, obwohl er für Kinder hergestellt wurde und sein recht dämliches Aussehen wird ihm sicher auch geholfen haben, denn die neue Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe zeigt „Böse Dinge“.

„Das Museum ist voller
guter Dinge, diese
Ausstellung beschäftigt sich mit der anderen Seite,
mit den bösen Dingen.“
Sabine Schulze,
Direktorin des Museums
für Kunst und Gewerbe


Die ausgestellten Designobjekte sind entweder gesundheitsschädlich, rassistisch, sexistisch, dekadent und überzogen exklusiv oder jugendgefährdend. Und die meisten sehen für den modernen Betrachter einfach scheußlich aus – ein echtes Schreckenskabinett. „Das Museum ist voller guter Dinge“, sagt Sabine Schulze, Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe, „diese Ausstellung beschäftigt sich mit der anderen Seite, mit den bösen Dingen.“
Geschmacks-Diskussion
Es geht darum, eine Diskussion über guten und schlechten Geschmack anzustoßen, Kriterien zu finden, nach denen man Designobjekte beurteilen kann. Das hat schon 1912 der Kunsthistoriker Gustav E. Pazaurek versucht, er entwickelte einen Kriterienkatalog, der die Grundlage für seine „Abteilung der Geschmacksverirrungen“ im Stuttgarter Landesmuseum war. Die Ausstellung „Böse Dinge“ im Museum für Kunst und Gewerbe hat über 50 Objekte aus der Originalsammlung ausgeliehen und durch eigene Exponate ergänzt. So kann der Betrachter modernen und historischen schlechten Geschmack bewundern. Besonders schön: Wer zu Hause eine exquisite Scheußlichkeit hat, die er eigentlich schon immer
loswerden wollte, kann sie bei
einer Tauschbörse im Museum
gegen ein womöglich noch schlimmeres Teil eintauschen. Aus der Mode gekommene Dekostücke, überflüssige Souvenirs, Schwiegermutter-Geschenke und verunglückte Designobjekte können
so eine zweite Karriere im
Museum machen oder einen neuen Besitzer finden. Das „böse Ding“ darf aber höchstens 30 Zentimeter groß sein und sollte dabei möglichst schräg und skurril sein. Aber bitte nichts, das lebt, leuchtet, Krach macht, schmutzt, verdirbt und auch nichts zum Anziehen. Genauere Informationen über die Tauschbedingungen gibt es im Museum für Kunst und Gewerbe. (sh)
bis 15. September,
Dienstag bis Sonntag,
10 bis 18 Uhr, Donnerstag
bis 21 Uhr, Museum für
Kunst und Gewerbe,
Steintorplatz, Eintritt:
10 Euro, ermäßigt 7 Euro
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