Einblicke in die Stadtgeschichte

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Museumschef Henning Rademacher ist stolz auf sein „Baby“, das Speicherstadtmuseum Foto: Hörmann
 
Die Arbeit der Quartiersleute wird im Speicherstadtmuseum durch Fotos und Ausstellungsstücke dokumentiert Foto: Hörmann

Privates Speicherstadtmuseum besteht seit 20 Jahren

HafenCity Wie ein typischer Seemann sieht Henning Rademacher nicht aus. Und doch zog es ihn vor vielen Jahren hinaus. Auch heute lässt ihn die See nicht los. Der Chef des Speicherstadtmuseums am Sandtorkai hatte in den 60er-Jahren als Schiffsjunge angefangen und es bis zum Kapitän gebracht. Ein Leben als Weltenbummler sollte es aber dann doch nicht sein, denn Henning Rademacher hat noch eine zweite Leidenschaft. Die Geschichte Hamburgs, ganz besonders im Hinblick auf den Hafen und die wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt ist seine zweite Leidenschaft. Sie führte den Kapitän und Volkswirt schließlich zu seiner heutigen Profession: Er gründete und leitet noch heute das private Speicherstadtmuseum, ein Projekt, das ihn seit 20 Jahren in Atem hält. Gemeinsam mit seinem Team aus 13 Teilzeitkräften bewirtschaftet der inzwischen 70-Jährige das Speicherstadtmuseum in eigener Regie und auf eigenes finanzielles Risiko.

„2014 hatten wir 56.000 Besucher, ich bin schon ein bisschen stolz auf diesen Erfolg“ Henning Rademacher

„2014 hatten wir 56.000 Besucher, ich bin schon ein bisschen stolz auf diesen Erfolg, denn immerhin war ich vor der Gründung arbeitslos, wir konnten also finanziell nicht gerade aus dem Vollen schöpfen“, sagt Henning Rademacher.
Die Ausstellung selbst gab es schon, die hatte das Museum der Arbeit als Sonderausstellung zum Thema 100 Jahre Beitritt Hamburgs zum Deutschen Zollverein im Jahre 1888 erstellt. Dieses Datum gilt als Initialzündung für die rasante Entwicklung des Hamburger Hafens zu einem Welthafen, der in puncto umgeschlagene Güter zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch von New York und London übertroffen wurde. 1888 wurde auch mit dem Bau der Speicherstadt begonnen.
Rademacher, damals Volontär im Museum der Arbeit, betreute die Ausstellung und erkannte, welchen Schatz er vor sich hatte. Anstatt sie nach dem Ende der Sonderausstellung für immer in irgendwelchen Depots verschwinden zu lassen, wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete ein kleines Privatmuseum, das zwar dem Museum der Arbeit angegliedert ist, jedoch eigenverantwortlich wirtschaftet. „Ich weiß noch, wie wir unsere erste Sonderausstellung hatten“, erzählt Henning Rademacher, „die war furchtbar schlecht ausgeleuchtet. Da sind wir dann einfach mit dem Inhalt der Tageskasse in den Baumarkt gefahren und haben erstmal vernünftige Strahler besorgt.“
Heute floriert das Unternehmen, auch wenn es immer wieder den persönlichen Einsatz des Chefs erfordert: Für den Umzug der Museumsräume 2011 in den Sandtorkai, wo die HHLA Räume zur Verfügung gestellt hatte, investierte Rademacher wieder sein Erspartes. In dem ehemaligen Teppichlager mussten eine neue Elektrik einbauen, Vitrinen angeschafft und die Decke erneuert werden. „Es ist ein Stück Hamburger Geschichte, die hier lebendig wird“, sagt Rademacher. Und blickt gespannt nach vorne, denn möglicherweise wird sein Speicherstadtmuseum in Zukunft noch mehr Besucher bekommen. Hamburg hat sich mit der Speicherstadt und dem Kontorhausviertel als Weltkulturerbe beworben. Die Entscheidung der Unesco in Paris fällt wohl im Juli. (sh)

Speicherstadtmuseum, Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Sonnabend, Sonntag und Feiertage 10 bis 18 Uhr, Am Sandtorkai 36, Eintritt: 3,90 Euro, ermäßigt 2,50 Euro
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