Kunst teilen wie das tägliche Brot

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Katja Reimer hat in Altona eine Praxis für Kindertherapie. Lange hatte sie nach den richtigen Bildern gesucht. Jetzt ist sie glücklich, genau das Passende gefunden zu haben Foto: Grell

Aktion in St. Jacobi: Skulpturen und Bilder zum Weiterverschenken für öffentlichen Raum

City Soviel Andrang verzeichnet die Jacobikirche nicht immer: Im Südschiff startete am vergangenen Sonnabend eine besondere Aktion: Die Bildhauer Axel Richter und Uwe Schloen verschenkten Kunst. Die Idee der beiden Künstler war es, zusammen mit 130 anderen Bildhauern und Malern den Besuchern ihre Werke einfach kostenlos zur Verfügung zu stellen, die dann allerdings nicht im eigenen Wohnzimmer, sondern im öffentlichen Raum einen Platz finden sollten. Ob die Güte des Teilens dann größer sein würde als die eigene Gier des Besitzes, sollte das Experiment unter dem Titel „Wechselstube open“ zeigen. Schon eine halbe Stunde vor der offiziellen Eröffnung standen Besucher dicht gedrängt vor den provisorisch aufgebauten Gerüsten, an denen die Kunstwerke mit Klammern befestigt worden waren. Auf Holzplanken standen Skulpturen, dicht daneben die ersten Besucher, die sich scheinbar nicht für die gesamte Ausstellung, sondern nur für diese eine Skulptur interessierten.

„Auf keinen Fall sollen die Kunstobjekte im eigenen Haus verschwinden.“
Axel Richter


„Die haben wir uns ausgesucht“, bekennt ein junges Paar. Wo das Objekt dann später einmal stehen soll, darüber haben sich beide noch keine Gedanken gemacht. „Auf keinen Fall sollen die Kunstobjekte im eigenen Haus verschwinden“, hatte Axel Richter in seiner Eröffnungsrede betont. Jedes mitgenommene Werk sollte weiterverschenkt oder öffentlich ausgestellt und somit für andere sichtbar geteilt werden. „Geteilt, wie das tägliche Brot“, ergänzte Hauptpastorin Astrid Kleist, „wie Süßigkeiten unter Geschwistern oder der eigene Wohlstand mit den vielen Flüchtlingen“.
Axel Richter aus Ammersbek möchte mit dieser Aktion Menschen dazu anregen, sich mit dem Teilen und bedingungslosen Schenken auseinanderzusetzen. Eröffnet von Pastorin Astrid Kleist und begleitet von einigen der ausstellenden Künstler wird die „Wechselstube open“ noch zwei Wochen lang für die Besucher offen stehen. Jeder hat dabei die Möglichkeit selber kreativ zu werden. Papier und Stifte liegen bereit und es können immer wieder neue Kunstwerke entstehen, die dann zum Teilen in der Ausstellung hängen sollen.
Die Künstler sind nun gespannt auf Rückmeldungen und es bleibt abzuwarten, ob das Experiment gelingt oder am Ende die Kunstwerke doch im eigenen Besitz bleiben. (kg)

Kunstaktion „Wechselstube open“ im Südschiff der Hauptkirche St. Jacobi, Steinstraße, bis 18. November, Montag bis Sonnabend, 11 bis 17 Uhr, Sonntag ab 11.30 Uhr
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