Neue Serie: Alte Kinos

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m Waterloo-Theater wurde der erste deutsche Nachkrigesfilm „In jenen Tagen“ uraufgeführt.

Das „Waterloo“ in der Dammtorstraße

Lang, lang ist es her, dass es in nahezu jedem Stadtteil mindestens ein Kino gab. Kleine Paläste mit schmucken Foyers und Eisverkäufern lockten vor allem in den 1950er Jahren Millionen Menschen vor die Leinwände. Und in der Innenstadt standen die großen Kinopaläste. In loser Folge werden wir die alten Kinos aus unseren Stadtteilen vorstellen. Das Waterloo-Kino, Filmpalast der Superlative
Neustadt. Es war eines der ersten großen Kinos in der Hamburger City, das am 30. Oktober 1909 eröffnete Waterloo-Theater in der Dammtorstraße 14, nahe dem Stephansplatz, - und sorgte immer wieder für Superlativen. Hier lief 1930 der erste amerikanische Tonfilm in Hamburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es eines der ersten Kinos, das wieder eröffnete. Am 14. Juni 1947 wurde hier der erste deutsche Film der Nachkriegszeit uraufgeführt: „In jenen Tagen“. Nach dem Umbau durch die Metro-Goldwyn-Mayer 1956 erhielt das Gebäude die erste Neonfassade Hamburgs.
Die Anfänge waren vergleichsweise bescheiden. Am 30. Oktober 1909 eröffnete Hamburgs erster Kinokönig, James Henschel, im Hinterhof eines Kontorhauses an der Dammtorstraße 14 das Waterloo-Theater, ein Kino mit 420 Plätzen, benannt nach dem bis 1905 an dieser Stelle befindlichen Hotel Waterloo. Gezeigt wurde eine Kurzfilmprogramm. Es soll hier bereits ein Vorläuferkino namens Cinérama gegeben haben. Das neue Kino war aber geeignet, so schrieb die Fachpresse, „bald zu einem Lieblingsaufenthalt der vornehmen Gesellschaft Hamburgs (zu) werden“. Denn: „Der Innenraum des Theaters ist in Rokoko gehalten, für das Auge angenehm abgetönt, die Stühle sind gleich denen eines Theaters.“
1927 wurde das Waterloo-Theater in einen richtigen Filmpalast umgebaut. Der bisherige Kinosaal wandelte sich in ein pompöses Foyer und ein ganz neuer Saal mit 864 Plätzen entstand. Eigentümer Manfred Hirschel (seit 1921) hatte sich durch diesen Umbau so stark verschuldet, dass er die Grundstücksbesitzerin Klara Esslen als Partnerin in sein Geschäft mit aufnehmen und seinen Anteil an sie verpfänden musste.
Drei Jahre später stand das Waterloo-Theater im Brennpunkt des Hamburer Kinogeschehens: hier und im Passage Kino wurde am 8. Januar 1930 der erste amerikanische Tonfilm, „The Singing Fool“ mit Al Johnson gezeigt. Das Waterloo-Theater blieb eines der ersten Kino-Adressen der Stadt. Hier liefen die großen Filme, die in aller Munde waren. Wie zum Beispiel 1933 „Menschen im Hotel“ mit Greta Garbo und Joan Crawford, oder noch bis 1940 die großen Filme aus Übersee wie „Meuterei auf der Bounty“ mit Charles Laughton und Clark Gable oder Revue- und Musikfilme wie „Mississippi-Melodie“ und „Broadway-Melodie 1938“. Sehr zum Ärger der Nazis ließ Waterloo-Eigentümer Heinz B. Heisig (seit 1934), der einzige konzernunabhängige Betreiber eines Hamburger Uraufführungskinos, unvermindert Hollywood-Produktionen spielen. Das Waterloo entwickelte deshalb schnell zum El Dorado der oppositionellen Swing-Jugend, als „Cosmopolitian-Enklave“. „Das Gejohle war bis nach nebenan in die Konditorei L´Arronge zu hören, wenn Bigband-untermalt, zum Scatgesang und Steptanz auf der Leinwand, die Swings im gedunkelten Parkett ihre Schmähgesänge gegen die HJ anstimmten“, erinnert sich Uwe Storjohann, damals aktiv in der Swing-Jugend. Mit Kriegsbeginn war´s damit vorbei. Nun durften nur noch ausländische Filme aus befreundeten Ländern gezeigt werden.
Nach einem Bombentreffer brannte der Saal aus. Er konnte allerdings in wenigen Monaten wieder hergerichtet werden, weshalb das Waterloo zu den ersten Kinos nach Kriegsende gehörte, das für das deutsche Publikum wieder eröffnete (20. September 1945). Am 19. Oktober fand hier das Filmereignis des Jahres 1945 statt: „Große Freiheit Nr. 7“ mit Hans Albers.
Als Eigentümer Heisig 1956 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, übernahm die Metro-Goldwyn-Mayer und baute das Kino um. Es beeindruckte nun durch die erste Neonfassade Hamburgs, eine frei stehende Empore und eine mächtige Treppenanlage im Foyer. Es hieß jetzt MGM Waterloo und zeigte Hollywood-Produktionen.
1973 gab MGM auf. Ein Jahr lang führte die Cinerama-Filmgesellschaft das Kino weiter. Doch am 31. März 1974 war endgültig Schluss. Zum Abschied lief Walt Disneys „Bambi“. Der Kinosaal wurde zurückgebaut.
Das Gebäude heißt heute schlicht Dammtor-Haus. (ch)
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