Ohnsorg Theater zeigt „Honnig in’n Kopp“

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Bei Enkelin Tilda (Farina Violetta Giesmann) ist der demente Amadeus (Joachim Bliese) in guten Händen Foto: Maike Kollenrott

Hamburgs Traditionstheater bringt Filmstoff auf die Bühne

Von Christian Hanke
St. Georg „Honnig in’n Kopp“: so fühlt sich das an, „wenn een allens vergeten deit“. So beschreibt Amandus Rosenbach seine fortschreitende Demenz, als ihn Enkelin Tilda danach fragt. „Honig im Kopf“ lautete bereits der Titel des Films von Till Schweiger über die immer stärker um sich greifende Volkskrankheit. In Florian Battermanns Umsetzung in ein niederdeutsches Stück fürs Ohnsorg Theater nun: „Honnig in’n Kopp“. Joachim Bliese spielt diesen Amandus Rosenbach und Farina Violetta Giesmann bei ihrem ersten Profiauftritt seine Enkelin Tilda. In der Ohnsorg-Inszenierung von Frank Grupe bilden sie im wahrsten Sinne des Wortes das Herzstück der Produktion. Tilda liebt ihren Opa, so schusselig er auch ist, und kümmert sich mit Herz und Verstand um den alten Herren, für den sein Sohn und dessen Frau, die ihn bei sich aufgenommen haben, kaum Zeit aufbringen können, weil sie in Arbeit ersticken. Es kommt, wie es bei Demenzkranken eben kommt: Sie bringen alles durcheinander, verwechseln Dinge miteinander, finden Worte nicht mehr, haben vieles, vor allem aus der Gegenwart, vergessen. Tiefpunkt dieser Entwicklung: Amandus lässt die von seiner Schwiegertochter Sarah lange geplante Sommerparty geräuschvoll platzen, indem er das für Mitternacht geplante Feuerwerk vorzeitig auslöst. Für Sarah ist nun klar: der Mann muss ins Heim. Der Mann, der sich an alte Zeiten aber immer noch gut erinnern kann, zum Beispiel an die wunderbare Italienreise mit seiner verstorbenen Frau. Deshalb fasst Tilda einen wagemutigen Plan: sie geht mit Opa auf Italienreise. Klappt auch, schließlich hat Amadeus noch die PIN seiner Kreditkarte im Kopf: 1916, Schlacht bei Verdun. Joachim Bliese ist in der Exaktheit des geistigen Verfalls von Amandus und dessen Liebeswürdigkeit ebenso hinreissend wie Farina Violetta Giesmann bei ihrem Bühnendebüt. Birte Kretschmer und Oskar Ketelhut geben überzeugend Tildas gestresstes Elternpaar. Weitere Ohnsorg-Koryphäen wie Sandra Keck, Meike Meiners, Horst Arenthold, Robert Eder und Till Huster zeigen in einer Reihe kleiner Rollen ihre Vielseitigkeit. Frank Grupe inszenierte mit sicherem Gespür für ein heikles Thema. „Honnig in’n Kopp“ ist noch bis 11. November im Ohnsorg Theater, Heidi Kabel Platz 1, zu sehen. (ch)

Weitere Infos und Tickets: Ohnsorg Theater
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