Pionierinnen ihrer Zeit

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Helen Hesse Charash vor dem Bild ihrer berühmten Schwester. Hesse gilt als eine der herausragenden Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre wichtigsten Arbeiten entstanden in den späten 60er JahrenFoto: Hörmann

Galerie der Gegenwart zeigt Eva Hesse und Gego

City. Gleich zwei Hamburger Künstlerinnen, die als Jüdinnen während der NS-Zeit emigrierten, stellt die Galerie der Gegenwart vor. Eva Hesse und Gertrud Goldschmidt gelten als Pionierinnen für Rauminstallationen und die Verwendung ungewöhnlicher Materialien. Zur großen Werkschau der beiden herausragenden Künstlerinnen kamen für die bereits 1970 verstorbene Eva Hesse ihre Schwester Helen Hesse Charash und für die 1994 verstorbene Gertrud Goldschmidt, genannt Gego, ihre Kinder Barbara und Tomás Gunz nach Hamburg. Sie fanden eine Ausstellung vor, die nicht nur als Werkschau die Arbeiten vorstellt, sondern durch den Dialog mit der jeweils anderen Künstlerin vertieft und bereichert. Erstaunlich die Parallelen im Leben und im Werk der beiden Künstlerinnen trotz der 24 Jahre Altersunterschied. Beide emigrierten in den Jahren 1938 und 1939, Eva Hesse nach New York, Gego nach Südamerika, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachten und international bekannt wurden. In Hamburg lebten sie beinahe um die Ecke, beide stammen sie aus jüdischen Familien.
Gegos Familie kommt aus der Heilwigstraße, Hesse aus der Isestraße. Hesses Vater, der schon 1933 als Rechtsanwalt nicht mehr arbeiten durfte, engagierte sich in der jüdischen Gemeinde am Bornplatz. Beide Familien mussten emigrieren, Gego bleibt noch als letztes Familienmitglied und regelt die Auflösung der Besitztümer der Familie. Das Bankhaus J Goldschmidt Sohn wird geschlossen. Anschließend wirft sie den Haustürschlüssel in die Alster und bricht auf in ein neues Leben nach Südamerika. In Caracas heiratet Gego den Unternehmer Ernst Gunz, erst spät findet sie zur Kunst. Hesse stirbt früh, doch in den letzten Jahren ihres kurzen Lebens ist sie unglaublich produktiv, entwickelt eine eigene Formensprache und experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien wie Polyester, Glasfaser und Metallfedern. Hier gibt es wieder Übereinstimmungen zu Gego. Beide Künstlerinnen wurden zu Vorreiterinnen der Minimal-Art, der reduzierten Kunst mit einer geometrischen Formensprache und Industriematerialien. 75 Jahre nach ihrer Vertreibung aus ihrer Heimatstadt Hamburg kehren die Werke der ungewöhnlichen Künstlerinnen zurück an die Elbe.
Für Gegos Sohn Tomás ein großer Moment: „Ich freue mich, dass diese Ausstellung in Hamburg zu sehen ist. Bitterkeit gegenüber Deutschland oder Hamburg gab es in unserer Familie nicht, ich habe nie auch nur ein böses Wort von meiner Mutter über Deutschland gehört“. Eine späte Ehrung zweier außergewöhnlicher Künstlerinnen und eine sehenswerte und umfassende Werkschau für Skulpturen und Objekte der Minimal-Art auf zwei Etagen in der Galerie der Gegenwart – ein guter Grund für einen Besuch am Glockengießerwall. (sh)
u bis 2. März 2014, Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Galerie der Gegenwart, Kunsthalle 2. und 3. Stock. Eintritt: 12, erm. 6 Euro
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