Speicherstadt Hamburg – wie alles begann

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Der Zollkanal bei der Brooksbrücke um 1888, als der Kaiser zu Besuch kam . . . Foto: Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv
 
. . . und heute Foto: Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv

Handelskammer öffnet im Rahmen einer Ausstellung eine wahre Schatztruhe

Von Stefanie Hörmann
City Es war mit Sicherheit keine leichte Entscheidung, die der Senat der Hansestadt Hamburg im Jahr 1883 zu fällen hatte. Hamburg sollte ein modernes Wirtschaftszentrum bekommen, einen Freihafen mit Speichern, die von der Wasser- und der Landseite her zu erreichen sind.

Doch die Frage war: Wie genau sollte das gigantische Projekt aussehen, was galt es zu beachten? Diverse Baupläne, Diskussionen ohne Ende, es ging um sehr viel Geld. „Es heißt, eine leidenschaftliche Rede unseres damaligen Präses Arthur Lutteroth habe den Ausschlag gegeben“, sagt Sabine Lurtz-Herting, stellvertretende Geschäftsführerin der Handelskammer Hamburg. Lutteroth soll gesagt haben: „Ich falle und sterbe für Plan VIa“.

Plan VIa war die heutige Version der Speicherstadt, die 2015 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde – als das größte zusammenhängende und einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt und das modernste Logistikzen-trum seiner Zeit. Speicherstadt und Freihafen waren ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für die Entwicklung Hamburgs – historisch gesehen, denn heute sind die Speicher in erster Linie eine Touristenattraktion und der Freihafen im Zuge der Entwicklung der Hafencity seit Ende 2012 aufgelöst.

Die Ausstellung „Plan VIa. Der Hamburger Freihafen in historischen Dokumenten und Fotografien“, die bis Ende April in der Handelskammer zu sehen ist, zeichnet die Entwicklung dieses besonderen Hamburger Stadtviertels nach und zeigt auch sehr viele aktuelle Bilder der international berühmten Backsteinarchitektur. Noch nie öffentlich gezeigte Schriftstücke aus dem Archiv der Handelskammer, historische Fotos, Baupläne, darunter natürlich auch der „Plan VIa“ – die Schau in der Handelskammer ist eine geöffnete Schatztruhe für Historiker und Liebhaber hanseatischer Kultur.

So erfährt der Besucher, wer 1888 außer Kaiser Wilhelm II. an prominenten Gästen zur Einweihung der Speicherstadt und des neuen Freihafens nach Hamburg kam und was die Honoratioren gespeist haben. Zur Feier des Megaprojekts hatten die Stadtväter ordentlich aufgetischt: Schildkröten-Suppe, Steinbutt, Ochsenbraten mit gerösteten Kartoffeln, Küken mit Spargel, Rehrücken, Hummer, Käse und Eis – alles am 3. November 1888. Zu den Gängen gab es ein ebenfalls in der Speisekarte abgedrucktes Musikprogramm.

Die Ausstellung in der Handelskammer zeigt alle Facetten des Projekts Freihafen und Speicherstadt. Dokumentiert sind auch die Bauarbeiten und der Abriss der Stadtviertel Kehrwieder und Wandrahm. Immerhin mussten für den Bau der Speicherstadt und des Freihafens 20.000 Menschen umgesiedelt werden. Es entstanden neue Wohngebiete außerhalb der Innenstadt für die Hafenarbeiter und ihre Familien, die für das ehrgeizige Bauprojekt weichen mussten, eines von ihnen ist Barmbek. Rund 80 historischen Exponaten werden gut 70 zum größten Teil für die Ausstellung angefertigte Fotos von Michael Zapf gegenübergestellt. In vielen Fällen suchte der Fotograf historische Motive heute erneut auf und entdeckte spannende architektonische Details, die in den Plänen von damals bereits eingezeichnet waren.

Bis 22. April, montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr,
freitags von 9 bis 16 Uhr, Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, Eintritt: frei
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