Straßengeschichte(n)

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An den herausragenden Hamburger Schauspieler Robert Nhil erinnert eine Straße in unmittelbarer Nähe des Deutschen Schauspielhauses. Foto: Hanke

Auf den Spuren der Kultur in St. Georg

St. Georg. St. Georg ist auch ein von Theatern geprägter Stadtteil. Das größte Sprechtheater des Landes, das Deutsche Schauspielhaus, steht hier. Berühmte Schauspieler bevölkerten somit den Stadtteil. Nach drei Mimen wurden hier sogar Straßen benannt. Zwei befinden sich in unmittelbarer Nähe des Schauspielhauses. Eine, die Ellmenreichstraße, bildet die Südgrenze des großen Theaters. Sie wurde 1948 (vorher Capellenstraße) nach Franziska Ellmenreich (1847-1931) benannt. Die aus einer Schauspielerfamilie stammende Künstlerin wurde in Schwerin geboren und war 1901 eine Mitbegründerin des Deutschen Schauspielhaus, an dem sie bis 1912 spielte und dessen Ehrenmitglied sie war.
An der Gründung des Schauspielhauses war auch ihr Kollege Robert Nhil (1858-1938) beteiligt, nach dem 1948 ein Teil der Straße Borgesch umbenannt wurde. Sie läuft genau auf den Bühneneingang des Schauspielhauses zu. Der gebürtige Hamburger Nhil, der eigentlich Gustav Reinhold Julius Steegmüller hieß, gehörte zu den herausragenden Mimen seiner Zeit. Nahezu alle großen Heldenrollen und zentralen Charaktere der Weltliteratur hat er gespielt, Mephisto, Othello, Wallenstein, Nathan den Weisen und viele viele mehr. Er war aber nicht nur den Klassikern verhaftet, sondern feierte gerade in Stücken eines damals umstrittenen Newcomers, in den Dramen von Henrik Ibsen große Erfolge. Zahlreiche Auszeichnungen konnte Nhil entegegennehmen. „Selten hat Hamburg einen Schauspieler so geehrt wie Nhil“, schrieb das Deutsche Bühnenjahrbuch 1939. Da war Nhil bereits tot.
Drei Monate nach seinem 80sten Geburtstag ist er 1938 gestorben. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof erhielt er ein Ehrengrab in der Nähe von Gustav Gründgens und Ida Ehre. Aber nicht nur die großen Choryphäen des Schauspielhauses finden sich auf St. Georgs Straßenschildern. Auch ein wegen seiner Herkunft Vertriebener wurde geehrt. Nach dem jüdischen Schauspieler und Regisseur Julius Kobler (1866-1942) wurde 1988 der Julius-Kobler-Weg benannt, der an der Westseite des Museums für Kunst und Gewerbe und an den Gleisen des Hauptbahnhofs entlangführt. Der in Südmähren geborene Kobler spielte ab 1904 am Thalia Theater und seit 1917 am Deutschen Schauspielhaus. Der außerordentlich beliebte und bekannte Schauspieler wurde 1934 gezwungen, das Ensemble des Schauspielhauses zu verlassen. Er erkrankte an Magengkrebs, der 1936 in Wien erfogreich behandelt wurde. Als Kobler, der noch auf Tourneen und auf Bühnen des Jüdischen Kulturbundes tätig war, 1942 erneut starke Beschwerden hatte, wurde im Universitätskrankenhaus Eppendorf eine Operation verweigert, weil jüdische Patienten nicht mehr behandelt wurden. Trotz einer Operation im Israelitischen Krankenhaus verstarb Kobler zwei Wochen später. Auch ein Stolperstein vor dem Schauspielhaus erinnert an ihn. (ch)
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