Was und wie essen wir morgen?

Nächster Termin: 25.05.2017 bis 29.10.2017

Wo? Steintorplatz, Steintorpl., 20099 Hamburg DE
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Die Stadt als Raum für die Produktion von Nahrungsmitteln mit Indoor-Farmen. Diese wurde vom Fraunhofer Institut für die Ausstellung entwickelt. Foto: Hörmann
 
Austin Stewart überlegt in seinem Projekt, ob Hühner mit Virtual Reality Brillen glücklicher wären. Und was sehen die Tiere? Eine Bauernhofidylle... Foto: Hörmann
Hamburg: Steintorplatz |

Sehenswerte Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe: Food Revolution 5.0

Von Stefanie Hörmann
Hamburg-City
Fast hat man es geahnt und dann gibt es sie tatsächlich zur Verkostung: die Kekse aus Mehlwürmern und den leckeren Insekten-Riegel. Aber ist das wirklich das, was wir in der Zukunft essen werden? Viele Wissenschaftler und Food-Designer glauben an die Speisung des überbevölkerten Planeten durch Ekel-Essen – es muss den verwöhnten Bürgern der Industrieländer nur ansprechend verkauft werden.

30 Designer

In Afrika und Asien verspeist der Mensch traditionell gern das eine oder andere Insekt. Nur ausgerechnet diejenigen, die den Klimawandel durch Fleischkonsum und den für Industrieländer typischen Lebenswandel vorantreiben, verweigern hartnäckig Wurm und Made. Das Museum für Kunst und Gewerbe zeigt in der Ausstellung „Food Revolution 5.0“, was alles außer den Insekten unseren Speiseplan bereichern könnte und auch, wie wir in der Zukunft leben werden, denn die Ernährung ist eine der dringlichsten Fragen des 21. Jahrhunderts. Entsprechend komplex ist auch die Ausstellung im Museum: 30 Designer zeigen zukunftweisende Vorstellungen vom 3-D-Drucker, der Nahrungsmittel herstellt über die Küche, in der das Wasser von Schlingpflanzen wieder aufbereitet wird bis hin zum Huhn mit Virtual Reality Brille für ein besseres Hühnerleben. Einige Entwürfe sind völlig versponnen oder verstörend wie die „Kuh von morgen“ von Designer Paul Gong aus Taiwan, die nur noch aus Herz und Euter besteht, der Rest ist überflüssig. Biotechnologie statt Milchproduktion mit lebenden Kühen, der Bauernhof hat in dieser Zukunft ausgedient. Aber nicht alle Aussteller sehen die Lebensmittel-Zukunft düster. Manch nützliches Designobjekt steht kurz vor der Serienproduktion, wie zum Beispiel ein ansprechend aussehender Abfalleimer, in dem Würmer die Lebensmittelreste in Humus verwandeln, den der Besitzer dann wieder als Dünger für seine Topfpflanzen verwenden kann. Toll auch: Ein Modul für eine Indoor-Farm mit kleinen Salatpflanzen unter LED-Licht.

Farm, Markt, Küche, Tisch

Thematisch ist die Schau in vier Bereiche gegliedert: Farm, Markt, Küche, Tisch – wie der Nahrungskreislauf von der Herstellung bis zur erfolgreichen Sättigung des Menschen. Im Bereich „Farm“ werden unterschiedlichste Lösungsmodelle aufgezeigt, wie man das Nahrungsangebot optimieren kann – hier kommen auch die Insekten wieder zum Zuge, sie sind eben eine gesunde Proteinquelle. Vielleicht mag sie der Konsument in Gestalt eines „Falschen Hasen“ wie in der Installation von Carolin Schulze, die Mehlwurmpaste mittels eines 3-D-Druckers in schmackhafte Häschen verwandelt. Der globale „Markt“ für Lebensmittel ist nicht nur als Zukunftsversion in der Ausstellung Thema, sondern auch ganz gegenwärtig in Form von Bildern der Massentierproduktion. Die „Küche“ als der Ort der menschlichen Ernährung mit Pflanzen, die auf dem Kühlschrank wachsen und dadurch das Schmelzwasser nach oben ziehen – vielleicht dauert es noch etwas, bis sich das Modell durchsetzt. Im Kapitel „Tisch“ steht die Esskultur im Fokus, auch in Form des übermäßigen Appetits, der in den Industrieländern oft zu Fettleibigkeit führt. Viele Zukunftsvisionen, die viel Stoff zum Nachdenken bieten. Fazit: Eine wirklich sehenswerte Schau, für die der Besucher Zeit mitbringen sollte, denn die „Food Revolution 5.0“ entfaltet ein Füllhorn von Ideen zur Ernährung der Zukunft.

Food Revolution 5.0: bis 29. Oktober, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, Eintritt: 12 Euro
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