130 Jahre Bürgerverein

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Jürgen Strege (Mitte), erster Vorsitzende des Hohenelder Bürgervereins begrüßte Bezirksamtsleiter Harald Rösler (l.) und den SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs beim Jubiläumsfest.
 
Jürgen Strege präsentiert die Festschrift zum 130-Jährigen Jubiläum vor der Geschäfsstelle am Mundsburger Damm 37.Fotos: Hanke

Eine der ältesten Institutionen dieser Art feierte Jubiläum

Hohenfelde/Uhlenhorst. Hohenfelde ist zwar mit 1,1 Quadratkilometern Fläche einer der kleinsten Stadtteile Hamburgs, aber er verfügt über einen der aktivsten und ältesten Bürgervereine der Stadt. Und der versteht zu feiern. Mit einem umfangreichen Festprogramm beging der Hohenfelder Bürgerverein von 1883, der sich seit 1973 auch für die Belange von Uhlenhorst einsetzt, kürzlich sein 130-Jähriges Jubiläum. Die Tanzgruppe des Vereins zeigte ihre Walzerkünste und die Inseldeerns aus Wilhelmsburg sangen zur große Freude der rund 150 Festgäste Schlager, Evergreens und Musicalsongs aus den vergangenen Jahrzehnten.

Historische Ärgernisse

In einer köstlichen Szene veranschaulichten außerdem Brigitte Böhme und Inge Biener, was zwei Damen aus Hohenfelde und Uhlenhorst im Gründungsjahr des Hohenfelder Bürgervereins so bewegte. „Mich stört zum Beispiel kolossal, dass der schöne Mundsburger Damm durch den starken Fuhrwerksverkehr, durch Pferdeäpfel so verdreckt ist, dass man – besonders bei Regenwetter – quasi kaum von einem Trottoir über den Fahrdamm auf den gegenüber liegenden Trottoir kommen kann“, ärgert sich Frau Stahrenberg und Frau Pohl hofft auf die Einführung der elektrischen Straßenbahn. Die beiden wünschen sich außerdem ein Gymnasium für Mädchen am Lerchenfeld, damit ihre Töchter einmal gut gebildet mit beiden Beinen im Leben stehen. Dafür wollen sie sich „mit weiblicher Diplomatie“ bei ihren Ehemännern einsetzen, die tags zuvor den Hohenfelder Bürgerverein gegründet haben. Man schreibt das Jahr 1883.

Ein Rückblick

Der Verein war am 6. Februar dieses Jahres von elf Herren aus diesem Stadtteil zwecks „Wahrung und Förderung hamburgischer Interessen auf freiheitlicher Grundlage unter besonderer Berücksichtigung des Stadtteils Hohenfelde“ gegründet worden. Auch die „Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, die Pflege der Wohltätigkeit und der Geselligkeit“ bezweckte der Verein. Das ist ihm offensichtlich gut gelungen. Schon ein Jahr nach der Gründung eröffnete der Bürgerverein die Hohenfelder Volksbibliothek, die erste jedermann zugängliche Bibliothek in Hamburg. Mit einem Bestand von zuletzt 2500 Bänden wurde sie 1912 von den öffentlichen Bücherhallen übernommen. 1894, in dem Jahr als Hohenfelde ein Hamburger Stadtteil wurde, bemühte man sich um die Einrichtung einer öffentlichen Badeanstalt in der Außenalster, die 1901 eröffnet wurde. Außerdem verfügte Hohenfelde inzwischen über ein Bad: die Alsterschwimmhalle an der Sechslingspforte, das größte Hallenbad der Stadt und das wohl bekannteste Bauwerk des Stadtteils. Der Hohenfelder Bürgerverein führte Weihnachtsbescherungen für bedürftige Familien durch, gründete eine Stiftung für bedürftige Mitglieder und setzte immer wieder Verbesserungen und Verschönerungen im Stadtteil durch. So wurde 1958 durch den intensiven Einsatz des Bürgervereins in der Hohenfelder Bucht die Plastik „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff aufgestellt, ein Wahrzeichen der Stadt am Schwanenwik. Den nimmermüden Einsatz für Hohenfelde lobten auf dem Jubiläumsfest die prominenten Gäste, Bezirksamtsleiter Harald Rösler, und der SPD-Bundestagsabgerodnete Johannes Kahrs, in dessen Wahlkreis Hamburg-Mitte sich Hohenfelde und Uhlenhorst trotz Zugehörigkeit zum Bezirk Hamburg-Nord befinden. 1973 wurde das Gebiet größer. Seit der Auflösung des Uhlenhorster Bürgervereins – mangels Interesse – setzt sich der Nachbarverein aus Hohenfelde auch für die Uhlenhorster Belange ein. Gerade wurde eine Uhlenhorsterin in den ansonsten von Hohenfelde dominierten Vorstand gewählt. Kein Bürgerverein ohne gemeinsame Aktivitäten: So haben die Hohenfelder denn auch viele Veranstaltungen ins Leben gerufen wie derzeit die Tanzgruppe, einen Chor und einen Literaturkreis. Was fehlt den Hohenfeldern noch? „Ein neuer Stadtteilmittelpunkt“, findet Jürgen Strege. Das frühere Gemeindezentrum von
St. Gertrud mit Schule, Kindertagesstätte und Senioreneinrichtung zwischen Ifflandstraße und Mühlendamm wurde abgerissen. Doch dort ist ein neues Zentrum ist geplant. Bestimmt unter Mitwirkung des Hohenfelder Bürgervereins. (ch)

Tatkräftige Vorsitzende haben den Zusammenhalt und das Engagement für den Stadteil gefördert wie vor allem Wilhelm Schweimler (Amtszeit 1892-1925), nach dem sogar eine Straße benannt wurde, Hans Iska-Holtz (1966-1991), Horst Pfeil (1991-2002) und seit 2003 der frühere Pastor der St. Gertrudgemeinde, Jürgen Strege. (ch)
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