Aktion gegen Kontaktverbot

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Die Demonstranten riefen mit großen Plakaten zum Protest gegen das Kontaktverbot auf. Foto: Karen Grell

Flashmob des Theaterkollektivs „George & Georgina“

Von Karen Grell
St. Georg. Einen Flashmob des Aktions- Theaterkollektivs „George & Georgina“ richtet sich jetzt noch einmal gegen das seit kurzem in St. Georg verhängte Kontaktverbot für Freier. Ab sofort ist es nicht nur untersagt Prostituierte auf der Straße anzusprechen sondern das Delikt auch mit einem Bußgeld belegt. Männern, die sich bei der Kontaktaufnahme erwischen lassen, droht eine Strafe von bis zu 5000 Euro. Gegen diese Neuerung im Sperrgebiet des Szeneviertels St. Georg am Hansaplatz haben George & Georgina jetzt lautstark zum Protest aufgerufen.
Mit einem Megaphon riefen sie in der Szene zum letzten Kontakt auf, bei dem sich Passanten, Anwohner und Betroffene noch einmal umarmten. Nach dem demonstrativen Countdown wurde der Mund mit einem dicken Klebeband verschlossen. Totenstille, wo noch vorher viele im Gespräch waren. „Wie soll nun herausgefunden werden, wer sich aus der Nachbarschaft kennt, wer mit wem verwandt ist und wer auf der Suche nach der käuflichen Liebe?“ fragen sich zwei der Demonstranten aus dem Wohngebiet. Bei einem so hohen Bußgeld werden es vielleicht viele lieber vermeiden mit dem netten Nachbarn ein paar Sätze zu wechseln. Viel zu groß sei doch die Gefahr einer polizeilichen Beobachtung. Die Prostituieren werden sich dann künftig im Verborgenen mit ihren Freiern verabreden und noch mehr das Internet nutzen als zuvor.
Zum Kontaktverbot samt Bußgeld ist es im Sperrgebiet aufgrund vieler Beschwerden der Anwohner gekommen, die von randalierenden Männern berichtet haben und diese Situation so nicht länger aushalten wollten. „Prostitution gehört zu St. Georg seit ich hier wohne und das sind viele Jahrzehnte“, berichtet eine Anwohnerin, die sich an dem Geschäft mit der Liebe nicht stört.
„Die Prostitution werde doch immer wahllos in andere Stadtteile abgeschoben“. Keiner wolle sie direkt vor der Tür sehen und dennoch sei sie Bestandteil der Stadt. Um das neu verhängte Verbot auch umzusetzen und es nicht bei der Theorie zu belassen, dafür wurde die Polizeipräsens im Stadtteil jetzt sichtlich angehoben. „Ich habe zwar mehr Polizisten gesehen als vorher“, beobachtete eine Familie aus der Koppel, „doch die standen meist vor den parkenden Autos und schrieben Strafzettel“.
Die Familien mit Kindern hoffen dagegen aber, dass sich der verstärkte Einsatz von Polizisten auch positiv auf die Situation der Spielplätze auswirke, die noch immer stark verunreinigt werden.
Kennen wir uns? Vielleicht wird sich die Lage auf dem Hansaplatz jetzt verändern. „Wir sind dagegen“, so die Demonstranten. (kg)
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