Alte Kastanie musste weichen

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Der Hamburger Architekt Tuyen Tranviet ist sentimental genug, um sich einen Ast der alten Kastanie mit nachhause zu nehmen. Er fuhr jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit an ihr vorbei .Foto: Grell

Große Fällaktion am Ferdinandstor

Von Karen Grell
City. Direkt gegenüber der Kunsthalle, am Ferdinandstor, stand bis zum Sonnabend eine 168 Jahre alte Kastanie. Gut sichtbar, mitten auf einer Verkehrsinsel, war der Baum ein Hingucker für viele, die hier täglich vorbeikamen. Auf dem Weg ins Büro, beim Fahrradfahren, Joggen oder nach einem Besuch in der Kunsthalle, die alte Kastanie war präsent und beeindruckte durch ihre Größe und gigantische Baumkrone. Mit fast 20 Metern Höhe, einem Stammdurchmesser von eineinhalb und einem Kronenmaß von 22 Metern hatte sie ein erstaunliches Alter für einen Straßenbaum erreicht, der vielen Belastungen ausgesetzt ist.
„Schon seit fünf Jahren war der Baum von dem Brandkrustenpilz befallen“, erklärt Gerd Baum, der Leiter der Abteilung Management des Öffentlichen Raumes im Bezirksamt Mitte. „Schon damals musste die Kastanie mit langen Stahlseilen gesichert werden, damit die großen Seitenäste des stark verzweigten Baumes nicht abbrechen. Direkt an einer Hauptverkehrsader zwischen Lombardsbrücke und Kunsthalle gelegen ein Sicherheitsrisiko für zehntausende von Autofahrern und Radlern, die hier täglich vorbeikommen.“ Als das Holz dann zu morsch geworden war, fällte das Bezirksamt ein Urteil. Der 168 Jahre alte Baum könne nicht mehr gerettet werden. Am Sonnabend um sieben Uhr begannen nun die Baumpfleger damit, die Kastanie abschnittsweise zu zersägen, abzuseilen und zu häckseln. Zu großen Verkehrsbehinderungen oder Sperrungen kam es während der Maßnahme allerdings nicht, denn bei Nutzung fast aller Spuren am Ferdinandstor war auch während der Baumarbeiten freies Durchkommen.
Sogar Jogger liefen unter den herabfallenden Ästen hindurch. Die Arbeitsabläufe waren anscheinend so gut geplant, dass mit keinen Zwischenfällen zu rechnen war. Doch neben allem Verständnis für die Baumfällung aufgrund des Pilzbefalls, gab es dennoch ein bisschen Wehmut unter den Passanten. Der Architekt Tuyen Tranviet war extra früh aufgestanden, um sich von der Kastanie zu verabschieden und auch gleich noch zwei Astabschnitte als Erinnerung mit nachhause zu nehmen. „Ich bin hier jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit vorbeigekommen und wollte dabei sein, wenn dieser schöne Baum gefällt wird“, bedauert Tuyen Tranviet das Verschwinden der Kastanie.
Der Stumpf und die Wurzeln sollen vorerst noch im Boden bleiben und erst später entfernt werden. Ob hier wieder ein Baum stehen wird, entscheidet sich, wenn klar ist, ob die Kreuzung umgestaltet werden soll. Die Verkehrsinsel am Ferdinandstor ist somit für alle Vorbeifahrenden wieder sicher, hinterlässt aber eine Lücke für alle, die sich über den schönen Baum gefreut haben. (kg)
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