Alte Räder als Ärgernis

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Jan Hoffmann musste vor der Eröffnung seines Weingeschäftes zuerst Kontakt mit dem Ordnungsamt aufnehmen und sieben dort abgestellte „Fahrradleichen“ entsorgen lassenFotos: Grell

Warum sie häufig einfach stehen gelassen werden

St.Georg. Überall im Stadtteil stehen angeschlossene Fahrräder herum, die offensichtlich nicht mehr abgeholt werden sollen. Ohne Sattel und Felgen, mit verrosteten Ketten und verbogenen Lenkern gehören sie zu den „Fahrradleichen“, die irgendwann von der Stadtreinigung entsorgt werden. Bis dahin ist allerdings ein weiter Weg und „die Stadtreinigung ist auch schon mit anderen Müllproblemen überlastet“, so Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte.
Fällt der Polizeistreife ein besonders vernachlässigtes Fahrrad auf oder meldet ein Anwohner ein Schrottrad, dann wird dieses vom Ordnungsamt mit einem Aufkleber versehen, der dem Besitzer mitteilt, dass dieses Fahrrad dann innerhalb von sieben Tagen entsorgt wird. Welches Fahrrad ist aber tatsächlich ein verwaistes und welches nur in einem schlechten Zustand? Anwohnerin Miriam nennt ihr Rad liebevoll „Schrotti“ und schließt es ohne Sorge vor Diebstahl an der U-Bahn-Station an, wenn sie nachts mit Freunden unterwegs ist. Jan Hoffmann hingegen musste vor der Eröffnung seines Geschäfts in der Gurlittstraße erst einmal das Ordnungsamt informieren, damit die sieben vor seinem Laden angeschlossenen Räder entsorgt werden und er den Laden zugänglich für Besucher machen konnte.
Viele der Fahrräder mit Metallkörben auf den Gepäckträgern werden im Laufe der Zeit als Müllcontainer genutzt, andere stehen direkt an einer Kreuzung und blockieren den Übergang. Wer also Fahrräder beobachten, die Wochen lang ungenutzt vor ihrer Tür stehen, kann diese dem zuständigen Ordnungsamt melden, damit der Entsorgungsprozess seinen Lauf nimmt. Am Ende bleibt allerdings immer noch die Frage, warum so viele Fahrräder nicht mehr gebraucht werden und weshalb der ehemalige Besitzer diese nicht verschenkt oder für einen guten Zweck spendet. „Das ist gar nicht so einfach“, weiß Hans-Werner Maier von der Fahrradwerkstatt „Jugend hilft Jugend“. Durch das Produkthaftungsgesetz ist jeder, er ein gebrauchtes Fahrrad weiterverkauft oder hergibt, dazu verpflichtet, wieder eine Garantie zu geben und haftet dann, wenn es zu einem Unfall mit dem gebrauchten Rad kommt, für die entstandenen Körperschäden. „Das Risiko geht heute keiner mehr ein“, weiß Hans-Werner Maier, der selber Jahre lang einen Fahrradladen besaß und auf den Verkauf von gebrauchten Rädern am Ende aufgrund des Gesetzes verzichtet hat. Die schlechteste Lösung, sein Rad zu entsorgen, ist aber das Abstellen und Stehenlassen. (kg)

Wer abgestellte Fahrräder im Bereich Hamburg-Mitte beobachtet, der kann das dem zuständige Ordnungsamt unter Tel.: 428 54 4100 mitteilen.
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