Am Ende stand der Überfall in Hohenfelde

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Das Auktionshaus „Stahl“ wurde von Sascha L. (32) überfallen

Die Story eines Absturzes: Ex-Millionär Sascha L. raubte Auktionshaus „Stahl“ aus. Jetzt steht er vor Gericht

Von Martin Jenssen
Hohenfelde. Er dachte, er könne alles erreichen. Aber er flog, wie der junge Ikarus, zu dicht an der Sonne vorbei. Sein Sturz auf die Erde war zerschmetternd. Das Leben des Ex-Millionärs Sascha L. (32) aus Wandsbek steht einer griechischen Tragödie in nichts nach.
Im Alter von 25 Jahren hatte er mit großem Fleiß mehrere Geschäfte aufgebaut, u. a. ein Antiquariat mit kostbaren Büchern, eine Kochschule, einen Weinhandel. In Potsdam kaufte er sich eine Druckerei. Er hatte eine intelligente hübsche Frau an seiner Seite, die zu ihm stand, auch als er in den Strudel geriet. Doch auch die große Liebe verspielte er.
Seit vergangener Woche muss sich Sascha L. wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Am 19. Februar beging er einen bewaffneten Überfall auf das Auktionshaus Stahl im Graumannsweg in Hohenfelde. Beute: Schmuck und Armbanduhren im Wert von über 100.000 Euro. Während seiner Flucht schoss er dem Geschäftsführer des Hauses, der ihn aufhalten wollte, Reizgas ins Gesicht.
„Ich war zu arrogant“
In der U-Haft hatte Sasscha L. viel Zeit. Er zeichnete seinen Lebensweg auf. Zum Verhandlungsauftakt las er dem Gericht die Geschichte vor, immer wieder in Tränen ausbrechend.
Mehrere Jahre lebt er in Saus uns Braus. „Mein großer Fehler damals“, so gesteht es sich Sascha L. heute ein: „Ich war zu arrogant!“
Dann der Absturz: Einbrecher plündern seinen Firmensitz, eine schmucke Villa in Wandsbek. Wertvolle Bücher werden gestohlen. Auch in sein Privathaus wird eingebrochen. Den Verdacht, er habe die Einbrüche fingiert, um Versicherungsgelder zu kassieren. weist Sascha L. von sich. Doch die Gerüchte ruinieren seinen Ruf. Ein Geschäftspartner hintergeht ihn, für Löhne seiner Mitarbeiter und die eigenen Schulden muss Sascha L. seinen Besitz weit unter Wert verkaufen, verliert über 1,9 Millionen Euro.
An Suizid gedacht
Ein Neuanfang mit einem Antiquitätenhandel in Prag scheitert. Erste Selbstmordgedanken, Drogenkonsum. Sascha L. und verändert sein Sexleben, trifft sich mit jungen Männern. Dadurch zerbricht die Partnerschaft mit seiner Lebensgefährtin, einer Anwältin.
Im Februar will er sein Leben erneut total verändern. Er versucht in den Handel mit Diamanten einzusteigen. Und er hat wieder eine große Liebe gefunden, einen Mann in Berlin. Doch ein HIV-Test zeigt: L. ist positiv. „Da hatte ich meine Hoffnung auf eine Zukunft verloren.“ Er will eine letzte verrückte Sache begehen. Danach bliebe ihm, so glaubt er, nur noch der Suizid.
Festnahme
Mit einer leeren Tasche und einer Gaspistole fährt er zum Graumannsweg und raubt das Auktionshaus aus. Mit der Beute flüchtet Sascha L. nach Amsterdam. Dort wird er am 24. April festgenommen. Der Prozess wird fortgesetzt. Urteil wohl Ende November.
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