Auf der Walz in Hamburg

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Jeremis Bello (l.) aus Flensburg und Mokka aus München sind schon über drei Jahre lang unterwegs und jetzt auf dem Heimweg

Jeremis und Mokka – zwei Handwerker auf großer Reise

Hamburg. Drei Jahre und einen Tag lang sollen Handwerksburschen sich auf die Walz begeben, um anschließend in den Familienbetrieb aufgenommen werden zu können. So besagt es eine alte Tradition aus dem Mittelalter. Tischler Mokka und Schmied Jeremis Bello sind sogar schon ein paar Monate länger unterwegs und haben sich deshalb jetzt auf den Heimweg gemacht. In einen väterlichen Betrieb wollen sie nicht eintreten, die Erlebnisse der dreieinhalb jährigen Reise aber auf keinem Fall missen. Sie waren kennen fast ganz Europa und waren sogar in Asien und Südamerika auf Arbeitssuche. Auf dem Weg nach Flensburg, der Heimatstadt von Jeremis, sind die beiden durch die Lange Reihe in St. Georg gewandert. Alle paar Meter wurden sie angesprochen.
„Viele kennen diesen Brauch gar nicht mehr“, weiß Mokka, der aus München stammt. „Interesse haben aber die meisten gezeigt“. In Europa sei es ihnen nicht schwer gefallen, immer eine kurze Anstellung und Unterkunft zu finden, in Bolivien und Peru allerdings sei der alte Handwerker-Brauch völlig unbekannt. „Wir haben überall auf der Welt von unserem Vorhaben erzählt und sind immer nett aufgenommen worden. Immerhin dürfen die jungen Handwerker bei ihrem Start ins Abenteuer kein Geld mitnehmen. Die Arbeit unterwegs bringt ihnen ein Taschengeld ein und Kost und Logis gratis. Bei Bauern haben sie gewohnt, bei Handwerkerfamilien und „auch schon mal in Fünf-Sterne Hotels, die sie eingeladen haben“, berichten die beiden Heimkehrer.
Den traditionellen Ohrring, der in früheren Zeiten abgerissen wurde, wenn sich die Handwerker etwas zu Schulden kommen ließen, tragen sie auch, dazu den Hand geschnitzten Wanderstab und einen Rucksack mit dem wenigen Gepäck.
„Wir würden es immer wieder machen“, lautet das Fazit der Handwerker auf der Walz. (kg)
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