Bedrohtes „Paradies“

Anzeige
Claudia Clausen betreut den Spielplatz im Graumannsweg ehrenamtlich gemeinsam mit ihrer Mutter Renate. Janne (2) lässt sich gern vorlesen - das gehört zum ServiceFoto: Grell

Verein für betreute Spielplätze mit schwieriger Perspektive

Hohenfelde. Seit knapp 60 Jahren bietet der Verein „Aktion Kinderparadies“ in Hamburg Betreuung für die Kleinen auf Spielplätzen an. Doch mangelnde Nachfrage und immer weniger Einsatzkräfte sorgen für akute Probleme: Sechs der 28 Standorte mussten in diesem Jahr aufgegeben werden. Noch besteht im Graumannsweg ein „Kinderparadies“ - doch wie lange noch? Ein Ortstermin.
Von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr können die Kleinen hier montags bis freitags spielen, sonnabends von 9.30 Uhr bis 14.30 Uhr. Der Unterschied zur Kita liegt unter anderem darin, dass die Kinder weder fest angemeldet werden müssen noch an bestimmten Tagen und zu geregelten Zeiten erscheinen sollen. Gespielt wird stets unter freiem Himmel. Regnet es einmal länger, können sich die Kinder in einer Schutzhütte unterstellen.

„Es kann doch gar nichts Schöneres als diese Arbeit mit Kindern an der
frischen Luft geben.“ Claudia Clausen


Betreut werden die Kinder im Alter vom ersten bis zum sechsten Lebensjahr von Tagesmutter Claudia Clausen und ihrer Mutter Renate Schulze. „Ich bin seit 26 Jahren dabei“, sagt Claudia, die sich „keinen anderen Job vorstellen“ könnte. Im Unterschied zu manch anderem Betreuer: Immer wieder wanderten „Kinderparadies“-Kräfte in Kitas und Ganztagsschulen ab, wo der Bedarf hoch ist.Dies ist in gewisser Weise verständlich, denn der Verein Kinderparadies kann nur wenig zahlen. 1,50 Euro pro Kind und Stunde bekommen die ehrenamtlichen Helferinnen, Mutter und Tochter, am Graumannsweg. Sogar das Fahrgeld zahlen sie selbst.
Warum arbeiten zwei Frauen hier täglich fünf Stunden ohne etwas daran zu verdienen? „Es kann doch gar nichts Schöneres als diese Arbeit mit Kindern an der frischen Luft geben“, sagt Claudia Clausen. Manche Kinder kommen fast täglich zum Spielplatz, während ihre Mütter Termine wahrnehmen, die Geschwister im Babyalter versorgen oder einfach einmal in Ruhe ein Buch lesen. Viele Kinder bleiben den ganzen Vormittag über, andere kommen nur für ein oder zwei Stunden. „Die Eltern lieben das Ungebundene und Spontane“, weiß Renate Schulze. Die Eltern und Kinder dagegen lieben Claudia und Renate und für viele, die in den Kindergarten wechseln, fällt der Abschied schwer. Mutter Tina, die ihre kleine Tochter Janne oft zum Spielplatz bringt, war immer begeistert von der liebevollen Betreuung durch das „Paradies“. „Es ist etwas Besonderes bei Claudia und Renate“, meint auch der Papa von Karoline und Konrad, die schon lange in der Kita sind, aber immer wiedergerne vorbeischauen. Ob die Betreuuer künftig doch etwas mehr Geld bekommen oder die Stadt ihren Zuschuss von derzeit jährlich 70.000 Euro erhöht, ist unklar. Auch im Graumannsweg hofft man auf weiter „kinderparadiesische“ Zeiten. (kg)

Verein Aktion Kinderparadies, aktion-kinderparadies
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige