Beutel statt Plastiktüten

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Die ersten Einkäufer bekamen den neuen, blauen Einkaufsbeutel gratis. Zusammengefaltet hat er die Größe eines kleinen Handys und passt in jede HandtascheFoto: Grell

Türkische Händler machen mit beim Umweltschutz

Von Karen Grell
St. Georg. Die Umweltbehörde hat am Montag zusammen mit türkischen Unternehmen eine Aktion zur Vermeidung von Plastiktüten gestartet. Der erste türkische Supermarkt, der für diese neue Idee besucht wurde, war der Lindenbazar in St. Georg. „Umweltschutz ist für unser Unternehmen schon lange ein echtes Anliegen“, betont Ahmet Yazici, der Geschäftsführer des Lindenbazars. Pro Jahr verbrauche immerhin jede Person in Deutschland im Durchschnitt 65 Plastiktüten, das sind fünf Milliarden pro Jahr, rechnet die Umweltbehörde vor.
Die meisten der genutzten Tüten sind dabei nur für kurze Wege notwendig, oft, um Einkäufe vom Laden bis in die eigene Wohnung zu befördern. Danach landen sie dann nach weniger als einer halben Stunde im Hausmüll oder im besten Fall in der gelben Tonne.
Während viele große Einzelhandelsketten fast nur noch Plastiktüten gegen eine Gebühr von rund 20 Cent abgeben, gibt es den vermeidbaren Plastikmüll bisher in vielen türkischen Geschäften noch kostenlos. Das wollen die Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten und ihre Mitgliedsunternehmen ändern und gehen deshalb mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) eine Kooperation zur Vermeidung von Plastiktüten ein. Die BSU organisierte ein zweisprachiges Plakat und Faltblätter mit den wichtigsten Informationen zur Müllvermeidung und spendet blaue, wiederverwendbare Einkaufstaschen, von denen eine – zusammengelegt – gerade einmal so groß ist wie ein kleines Handy.
„Wir sehen das als ersten Schritt einer umfassenden Kooperation mit türkischen Unternehmen im Bereich Umweltschutz“, sagte Umweltstaatsrat Holger Lange. Er hofft, mit der Aktion einen großen Teil der türkischen Gemeinden zu erreichen. Vor dem Hintergrund der massiven Belastung durch Plastikmüll im Meer und an Land sei jede Aktion wichtig. Zunächst wollen sich 20 türkische Lebensmittelhändler an der Aktion zur Müllvermeidung beteiligen.
Mehmet Keskin, Geschäftsführer der ASM, möchte unbedingt die türkische Gemeinde überzeugen. „Die massenhafte Verwendung von Plastiktüten im Alltag kann so nicht weitergehen“, so Keskin, der zum Umdenken animieren möchte und auf die wiederverwendbaren Taschen setzt. Auch Geschäftsführer Ahmet Yazici will sich ganz intensiv für die Vermeidung von Plastiktüten einsetzten. Mit Solarzellen auf dem Dach zeigt er bereits seinen Einsatz für den Umweltschutz, mit den blauen Einkaufstaschen soll es nun weitergehen. Wenn die neue Tasche nur 250 Mal zum Einsatz kommt, wären das bei den jetzt verteilten 5.000 Taschen bis zu 1,2 Millionen vermiedene Plastiktüten. Die Tasche besteht aus recycelbarem Polyester und soll mindestens drei Jahre lang halten. Schon der erste Tag im Lindenbazar zeigt, dass sich die Käufer für die Tüte interessieren. „Ich darf sie dann nur nicht zuhause vergessen“, so eine junge Mutter, die bei ihrem Großeinkauf gleich zwei der blauen Taschen mitnehmen durfte. (kg)
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