Bunte Blumenbeete für St. Georg

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Marco bepflanzt ein winziges Beet vor dem Familienunternehmen. Er trägt damit zu einem schöneren Stadtbild bei Foto: Grell

Guerilla Gardening: Anwohner schaffen sich ihr eigenes Paradies

Von Karen Grell
St. Georg
Das kleine Stück sichtbarer Erde am Fuße der Straßenbäume nutzen gern Hunde für ihr kleines Geschäft und Vorbeigehende, um ihren Schnipsel Müll zu entsorgen. Das muss nicht sein, dachten sich viele Nachbarn in St. Georg und begannen mit dem Guerilla-Gardening, einer Form des wilden Gärtnerns, das zwar nicht legal, aber trotzdem fast mit ein wenig Wohlwollen geduldet wird. „Hier würde doch sonst nur Müll herumliegen“, weiß Marco Viegas, der Sohn des Inhabers einer Gastronomie an der Koppel, der hier einen Traum von Blumen gepflanzt hat. Die Hunde hält er mit einem winzigen Zaun vom Blütenmeer fern, die „Leute respektieren die Beete eigentlich und werfen selten etwas hinein“, freut sich Marco über die Entwicklung der wilden Grünflächen.

Guerilla-Gärtner in Hamburg bepflanzen üblicherweise nur winzige Flächen, wie Verkehrsinseln oder die Betonpoller in Seitenstraßen, kleine unversiegelte Flächen, wie die unter Bäumen oder Sträuchern oder kleine Seitenflächen neben großen Straßen. Fast ganz St. Georg ist voll von diesen kleinen Blumenoasen, die dem Stadtteil einen ganz besonderen Touch geben. „Wer sonst sollte sich um ein bisschen mehr Grün vor der Haustür kümmern, wenn nicht die Anwohner selber, die ja auch hinschauen“, so das Argument, das Marco davon überzeugt, dass der wilde Gärtner einen tollen Beitrag zur Verschönerung der Stadt leistet. Mit seiner Meinung steht er nicht allein da, denn immer mehr Hamburger in den unterschiedlichsten Stadtteilen haben sich dieser Bewegung angeschlossen.

Ein Italiener um die Ecke pflanzt sogar Tomaten auf einem winzigen Beet direkt an einer befahrenen Straße, ein ehemaliger Seemann sorgt für ein Tulpenmeer zwischen Betonplatten und eine Lehrerin in Pension gießt ohne Pause den Lavendel, den sie in einen der Poller in ihrer kleinen Nebenstraße gepflanzt hat. Das Gärtnern vor der eigenen Haustür biete viele Vorteile: Die Besucher der Stadtteile erhalten einen schöneren Anblick, die Anwohner selber müssen sich nicht über den Abfall auf den Brachflächen ärgern und vor allem stärke es auch den Zusammenhalt im Quartier. „Das Beet da drüben hat der Hotelier nebenan bepflanzt, ich gieße es aber oft mit“, betont Marco, der als Hobbygärtner des zwei Quadratmeter großen Beetes vor der Tür des Familienunternehmens tätig ist.

Im Frühling wird ausgesät, den ganzen Sommer über Unkraut gejätet und je nach Trockenheit gewässert und im Winter dann für Kälte unempfindliche Pflanzen gesorgt. Die Guerilla-Gärtner sind vor allem eines: Menschen, die sich nicht beschweren über Missstände in der Stadt, sondern selber anpacken und auf eigene Kosten ihr Umfeld verbessern. Ein Nachbar hatte sogar einmal einen Antrag auf eine offizielle Patenschaft für ein Beet beantragt. Auf eine Antwort wartet er immer noch. Guerilla Gardening als Chance für eine ansehnlichere Stadt? In St. Georg gibt es kaum ein Stück Brachland, das nicht mit wunderschönen Blumen bepflanzt wurde und so soll es auch weitergehen.
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