Das Kräuterhaus zieht um

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Emmi Ortmann und Rita Rosenzweig arbeiten seit vielen Jahren im Kräuterhaus und haben für jedes Anliegen einen Tipp parat
 
Seit Jahrzehnten in St. Georg: Das Kräuterhaus.

Das Herz von St. Georg kann bleiben

St. Georg. Alles, was man im Kräuterhaus in der Langen Reihe in St. Georg kaufen kann, das gibt es auch über einen Klick im Internet zu bestellen. Für alle, die in den letzten Wochen um das eventuelle „Aus“ des legendären Kräuterladens gebangt haben, war genau das eine absolute Horror-Vision. Wenn zwei Institutionen sich völlig fremd sind, dann das kleine Geschäft direkt an der Ecke Danziger Straße und die virtuelle Welt der Computerbestellungen. Natürlich kaufen auch hier schon manche ihre Waren über das Netz ein, aber niemand möchte je auf den Besuch bei den Kräuterdamen zwischen den vielen verschiedenen Tees verzichten müssen. „Probieren Sie doch erst einmal einen Bonbon“, rät Emmi Ortmann seit über 12 Jahren mit dem freundlichsten Lächeln der Stadt. Jede Frage wird hier ernstgenommen und für viele gibt es gleich die passenden Kräuter mit nach Hause. Wer nach Weihnachten ein wenig zugesetzt hat, der kann auf den „Speck weg Tee“ vertrauen und gerade in der kalten Jahreszeit zur Erkältungswelle hilft der Vierjahreszeitentee. Medizinische Beratung gibt es im Kräuterhaus keine, aber Tipps aus Jahrzehntelanger Erfahrung und dazu immer diese warmherzige Art, die weit über St. Georg hinaus bekannt ist. Bei den Kunden werden die Verkäuferinnen meist als allwissende Kräuterfrauen angesehen und alle, die den Laden schon lange kennen, die kommen immer wieder her, bleiben hängen zwischen den vielen verschiedenen Namen für Tees, den scheinbar hunderten von Cremedosen in unterschiedlichsten Tuben und den leicht eingestaubten Plastik-Raben an der Decke, die auf den Balkon gesetzt werden müssen, wenn die Tauben zu aufdränglich werden. Emmi Ortmann ist im Kräuterhaus nicht nur eine von den guten Feen, sondern weiß auch alles Mögliche über die Geschichte des Unternehmens. In die Lange Reihe zog das Geschäft schon 1973 nachdem es im Krieg sogar einmal ausgebomt worden war. Eine Kellerwohnung diente damals in den Anfängen dem bis dahin kleinen Sortiment, das sich in den Jahren immer weiter vergrößerte. Was damals nur mit Kräutern begann, hat heute auch Kosmetik, Bachblüten, Edelsteine und Trockenfrüchte im Angebot. „Unsere Stärke sind die Mischungen“, weiß die neue Geschäftsführerin Jessica Techen, die sich jetzt intensiv um den Laden kümmert und auch schon eine Lösung für die Zeit nach der Kündigung gefunden hat. „Der Kräuterladen zieht in die Koppel“, das ist die erfreuliche Nachricht, wenn auch mit ein paar winzigen Veränderungen, wie es bisher aussieht. Die Mitarbeiterinnen werden je nach Anklang der neuen Lage dann nach und nach wieder eingesetzt und das Sortiment soll trotz der verringerten Ladenfläche dasselbe bleiben. Die Idee des Herrn Hermann Kräutermayers, der einst das Kräuterhaus gründete, bleibt somit bestehen, nur die Strukturen im Laden werden nicht dieselben sein. Den Charme des kleinen Geschäftes mit der grünen Holztür hinter ein paar holprigen Stufen wird kein versteckter Laden in der Koppel ersetzen können. „Wir hoffen allerdings sehr“, so Mitarbeiterin Rita Rosenzweig, „dass die Kunden uns dennoch weiterhin besuchen werden, damit das Kräuterhaus bestehen bleibt.“ Emmi Ortmann macht bereits kräftig Werbung wenn ein Kunde den Laden betritt. „Wussten Sie schon dass wir bald in der Koppel 34 sind“? So weit entfernt sei das gar nicht. „Nur zwei Mal ums Eck“, lacht die Mitarbeiterin, auf deren Tipps man sich Jahre lang verlassen konnte. „Vielleicht finden wir sogar irgendwann wieder einen neuen bezahlbaren Laden direkt in der Langen Reihe“, versucht sich Jessica Techen die Zukunft des Kräuterhauses auszumalen. Für die meisten Kunden ist die Neuigkeit über das weitere Bestehen des Ladens allerdings zunächst die absolut gute Nachricht. „Bis bald wieder“, winkt Emmi Ortmann den Kunden hinterher und das Herz von St. Georg muss bleiben, da gibt es gar nichts. (kg)

Infos: Kräuterhaus St. Georg, bald in der Koppel 34, Tel.: 24 00 00
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