Dem Giftmüll auf der Spur

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Kooperationspartner von „PassTox“: Frank Schweikert und Prof. Gesine Witt Foto: Haas
 
Sammler für Giftcocktails: Nora Niehus und Matthias Reininghaus zeigen, wie sie forschen Foto: Haas

Hafencity: HAW-Forschungsschiff Aldebaran fahndet nach Mikroplastik

Von Waltraut Haas
Hafencity/St. Georg
Malerisch lag das Forschungsschiff Aldebaran im Sandtorhafen. Doch die Idylle täuscht: Die fünfköpfige Crew ist giftigem Schlick auf der Spur. Jetzt lief das Schiff wieder aus - die Mission: den belasteten Schlick an Elbe, Weser, Trave sowie in Boddengewässern der Nord- und Ostsee zu erforschen. Denn der Schlick enthält Mikroplastik. Muscheln und Fische erkranken bereits daran. Durch die Nahrungskette landen sie wieder beim Verursacher: auf unseren Tellern.
„Im Schlick finden sich immer mehr winzige Plastikpartikel. Sie haben die Eigenschaft, wie Magnete nach und nach giftige organische Stoffe an sich zu binden. Dadurch bilden sich mit der Zeit unterschiedliche Giftcocktails“, erklärt Professor Dr. Gesine Witt von der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) am Berliner Tor. „Durch unsere Abwässer gelangen diese Partikel über die Zuflüsse in unsere Küstengewässer von Nord- und Ostsee“. Auch der Sand an beliebten Urlaubstränden bleibe davon nicht verschont. Mit Satellitenaufnahmen hat die Professorin für Umweltchemie schon erkundet, wo sich die Giftcocktails besonders ansammeln. Jetzt will sie mit ihrem Team Ausmaß und Verbreitung des Plastikmülls erforschen: „PassTox“ heißt das Projekt, für das sie mit ihrer Crew jetzt startete.
Mit dabei ist ein wertvoller Kooperationspartner: Frank Schweikert von der Aldebaran Marine Research unterstützt die Expedition auf dem gleichnamigen Forschungsschiff. „Wir sind seit über zwei Jahrzehnten spezialisiert auf von Forschung und Umweltkommunikation“, erklärt der Diplom-Biologe und Journalist. Schweikert passt mit seinem 14 Meter langen Forschungsschiff nicht nur fachlich gut ins Team. Auch als Käpt‘n der Aldebaran ist er unverzichtbar, wenn es um die Navigation in seichten Küstengewässern und an Flussufern geht. Immerhin 1025 Seemeilen oder rund 2.000 Kilometer umfasst die Tour.

40 Sammler verteilt


Schon im Juni war die Crew unterwegs, um 40 Schadstoffsammler an Flussufern und im Küstenbereich auszubringen, befestigt an Buhnen und Duckdalben. Der Kern der Sammler enthält löchrige Kupferröhren von Trinkbechergröße, in denen sich der Schlick allmählich ablagert. Ökobiologie-Doktorandin Nora Niehus demonstrierte das Verfahren an einem Sammler im Sandtorhafen. Sie gehört zur Crew mit Moritz Kielmann und Matthias Reinighaus, beide studieren Umwelttechnik an der HAW. Die Doktorandin und die angehenden Umweltingenieure zeigen, womit sie in den kommenden Wochen beschäftigt sind.
Alle 40 Sammelstellen sind genau kartiert, mit Taucheinsätzen und zusätzlichen Wasserproben hat die Crew auf dem Schiff viel zu tun. Danach geht Arbeit weiter im HAW-Labor, um Eintrag, Ausmaß sowie Risiken der Schadstoffbelastung genauer zu erfassen. Dieses Projekt trage immerhin einen entscheidenden Schritt bei zur Umsetzung der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) von 2008, erklärt Schweikert. Die Projektkosten von über 200.000 Euro teilen sich Stadt, HAW Hamburg und Drittmittelgeber. (wh)
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