Denk mal, ein Denkmal!

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Die frühere Impfanstalt in St. Georg (1897-1902) ist heute ein Wohnhaus Foto: Wikipedia/Ajepbah

Am Wochenende stehen besondere Gebäude offen

Von Stefanie Hörmann
City/ St Georg. Mit drei Veranstaltungstagen beteiligt sich Hamburg am europaweiten „Tag des offenen Denkmals“, der genau genommen zwei Tage währt. Vom 6. bis 8. September stehen sie unter dem Themenschwerpunkt „Unbequeme Denkmäler“. „Das Thema ist besonders spannungsvoll und wird sicherlich Anlass zu Diskussionen geben“, sagt Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos), „die unbequemen Denkmäler sind die wichtigsten, wenn es um ein vertieftes Denkmal-Verständnis geht, denn sie geben Anlass zur Frage, woran wir uns erinnern wollen und auch müssen.“ Auch im Bezirk Mitte öffnen viele Denkmäler. So staunt der Besucher des Kontorhauses Messberg (ehemaliges Ballinhaus) über die Wendeltreppe im Treppenhaus, die zu den schönsten des Kontorhausviertels zählt. Benannt wurde das Haus nach dem jüdischen Direktor der HAPAG, Albert Ballin. 1938 „arisierten“ es die Nazis und benannten es in Meßberghof um. Die hier ansässige Firma Tesch und Stabenow lieferte Zyklon B direkt an die Konzentrationslager. Daran erinnert heute eine Gedenkstätte (geöffnet Sonntag, 14 bis 18 Uhr, Meßberg 1, Führung nach Bedarf). Ein Geheimtipp in St. Georg ist die ehemalige Impfanstalt (Am Lohmühlenpark 1, Sonntag 15 bis 18 Uhr). Sie entstand zwischen 1897 und 1902 nach Plänen des Oberimpfarztes Leonard Voigt. Vor fünf Jahren wurde die Anstalt durch das Architektenbüro Plan R zum Wohnhaus umgebaut. Erhalten blieb der Jugendstilsaal, um den sich heute die Wohnungen von 20 Familien eines Projektes gruppieren.


Eine weitere Hamburger Besonderheit ist die ehemalige Kinderbewahranstalt am Holstenwall 6 in der Neustadt. Die erste Kinderkrippe der Hansestadt wurde 1852 am Krayenkamp gegründet und fünfzig Jahre später am Holstenwall neugebaut. Heute ist das Gebäude ein Wohnhaus, am Denkmaltag ist es von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Auseinandersetzung mit Krieg, Kolonialismus und Diktatur, aber auch der Sinn für das Schöne – und immer wieder der Blick zurück in unsere Geschichte. Der Tag des Denkmals bietet kostenlose Führungen und vor allem offene Türen in 115 Hamburger Denkmälern, ein guter Anlass für eine Reise in die Vergangenheit.
Das „Bündnis für ein Deserteursdenkmal“ will sich am Sonnabend, 7. September, mit einer Führung und einer Aktion dem umstrittenen „Kriegsklotz“ am Dammtor kritisch annähern und versucht hier der Frage des „Unzeitgemäßen“ auf dem Grund zu gehen. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr und wird voraussichtlich zwei Stunden dauern. Klaus Robra liest Texte und Gedichte von Brecht, Kästner und Weinert (sh).

Freitag, 6. September, ab 15 Uhr, Auftaktveranstaltung und Vorträge zum Thema „Unbequeme Denkmäler“, Haus der Patriotischen Gesellschaft, Trostbrücke 4-6. Sonnabend, 7. September, Familienprogramm, bei vielen Denkmälern gibt es Angebote für Kinder. Programm unter tag-des-offenen-denkmals
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