Der Bienenkümmerer von St. Georg

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Schauspieler Benjamin Utzerath ist auch Imker und hat seine Bienenvölker in einem Garten in St. Georg untergebracht Foto: Grell

Benjamin Utzerath auf der Suche nach dem nächsten Schwarm

Von Karen Grell
St. Georg
Seit Jahren ist Benjamin Utzerath nicht nur Schauspieler und Sprecher auf Hamburger Bühnen, sondern auch Imker im Bahnhofsviertel von St. Georg, gleich in der Nähe des Steindamms. Seine Bienenvölker hält er in einem kleinen Garten einer Seitenstraße, den er für sein Hobby nutzen darf. Zurzeit sind es mindestens drei Völker, die von dem Künstler betreut werden. 250 Kilo pro Jahr aus den Waben holt, verkauft er im Stadtteil und per Post auch deutschlandweit. Leicht hat er es mit den Bienen nicht immer, denn als er im vergangenen Jahr einen zweiten Standort am St. Georgs Kirchhof anlegen wollte, sei leider der Hausmeister beim Rasenmähen ins Auge gestochen worden und trug „seitdem ein Dorn im Auge“, wenn es um die Bienenliebhaberei des Imkers ging. „Dabei sind die kleinen Tiere wirklich harmlos“, schwört der 53-Jährige, der auf dem kleinen Grundstück nahe dem Hansaplatz bisher nur gute Erfahrungen mit den Nachbarn gemacht hatte. Einmal habe man sich über den Rauch beschwert, den Utzerath zum Beruhigen der Tiere gebraucht, wenn er ihnen an die Kästen geht, danach habe er einfach die Pfeife gewechselt und sei damit dem Problem aus dem Weg gegangen. Neu ist in Benjamins Leben als Imker, dass er jetzt auch auf Hamburgs Schwarmfänger-Liste steht. Nach fünfhundert Jahre altem Imker-Recht „gehört jeder Schwarm demjenigen, der ihn findet“, so der Experte aus St. Georg. Wenn der Imker gerade keine passende Kiste dabei habe, um die mehreren Hundert Bienen einzufangen, könne er neben dem Schwarm einen Zettel befestigen, der ihn als neuen Besitzer auszeichne. Warum nun ein Bienenvolk überhaupt ins Schwärmen kommt, ist in Imker-Sprache erklärt so komplex, dass es vieler Seminare und Fortbildungen bedarf, um überhaupt hinter die Geheimnisse des Lebens in den Waben zu kommen. „Kurz erklärt heißt es“, so Benjamin Utzerath, „dass es den Bienen im Stock zu eng wird und sich einige von ihnen nach einer neuen Bleibe umsehen und dafür ausschwärmen. In der Natur sind das meist hohle Baumstämme. „Wenn sie in der Stadt ausschwärmen, setzen sie sich zum Ausruhen gern auf abgestellte Fahrräder“, hat der Imker bereits beobachtet.

36 Imker im Umkreis


Manchmal bekommt Benjamin Utzerath mehrere Anrufe in einer Woche mit der Bitte, einen herrenlosen Schwarm zu bergen. Kürzlich erst aus einem Baum. „Der Schwarm war aber in unerreichbarer Höhe“, erklärt er, und es war auch kein Schwarm aus seinem eigenen Stock. „Wir sind hier im Umkreis bereits
36 Imker“, sagt Utzerath und da könne es gut sein, „dass der eine oder andere Schwarm mal entfleucht“. Ins Schwärmen kommen die Bienen übrigens nur von Mai bis Juli. Wenn der Imker Benjamin Utzerath vorsichtig über die Fühler einer seiner Bienen streicht, kann er sogar bestimmen, wie alt das Tier sein muss und klar ist: Der Imker vom Steindamm schwärmt auf jeden Fall das ganze Jahr für seine Bienenvölker.
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