Die gute Seele von St. Georg

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Emmi Ortmann (links) arbeitete viele Jahre im Kräuterhaus zusammen mit Rita Rosenzweig Foto: Grell

Trauer um Emmi Ortmann vom Kräuterhaus

St. Georg Die meisten St. Georger kannten Emmi Ortmann aus dem Kräuterhaus. Sie war eine der weisen Damen, die alle Kunden, die auf der Suche nach einem leckeren Tee oder einer wohltuenden Medizin in den Laden kamen, mit einem strahlenden Lächeln empfing. Ganz so, als sei ihre Freude bei den Gästen, die nun endlich den Weg in das legendäre Haus gefunden hatten. Sie verkaufte „Speck weg Tee“ im Frühling gegen die Pfunde aus dem Winter und „Vierjahreszeitentee“ gegen lästige Erkältungen. Kurz, Emmi Ortmann kannte sich aus unter den Kräutern und versprühte gleichzeitig eine Wärme, die schon an sich guttat.

Hohe Engagement


In den Straßen St. Georgs fühlte sich Emmi Ortmann, die ursprünglich aus Uphusen bei Bremen stammte, richtig wohl. Sie kannte viele Menschen in ihrem Viertel und engagierte sich besonders für die Schwächeren unter ihnen. So war es für sie auch selbstverständlich, in der Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde aktiv zu sein und in der Suppengruppe mitzuhelfen, indem sie 18 Jahre lang die Suppe von den Hotels abholte. Emmi unterstütze Familien, deren Kinder noch nicht so gut deutsch sprachen und übte mit ihnen das Lesen und Schreiben.

Freundschaftsbriefe


Aufopferungsvoll kümmerte sie sich auch noch um Lotti, eine stark demente Dame, mit der sie sich jede Woche traf und Ausflüge unternahm. Emmi Ortmann war einfach die gute Seele des Stadtteils. Wer die Anfang 80-Jährige einmal in den Straßen des Stadtteils traf, kam nicht so schnell an ihr vorbei, denn sie ließ beim Händedruck ihre Bekannten nicht so einfach wieder ziehen, als wollte sie die Zeit der anderen im Stress des Alltags ein wenig verlangsamen. Alle, die Emmi Ortmann dann in ihr Herz geschlossen hatte, bekamen irgendwann eine ganz große Überraschung von ihr: Emmi Ortmann verteilte Freundschaftsbriefe. Handgeschrieben, mit Oblaten beklebte Geschichten, die von dem erzählten, der diesen Brief erhalten sollte. Mit einem bunten Band umwickelt, waren diese Briefe richtige Geschenke und ein Zeichen ihrer großen Verbundenheit. Im August wollte Emmi Ortmann jetzt einen Vortrag unter dem Titel „Mein geliebtes St. Georg halten“. Leider ist sie nun noch vor Ostern mit 81 Jahren nach plötzlicher Krankheit verstorben. Die Trauerrede in der St. Georg Gemeinde hielt Andreas Holzbauer. (kg)
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