Drei Jahre und sechs Monate Haft

Anzeige
Angeklagter Cesar S. schwieg meist während der Verhandlungstage. Am Ende wünschte er sich ein gerechtes Urteil. Foto: ch

Gericht fällte Urteil im Prozess gegen den Unfallfahrer von Eppendorf

Von Dr. Christian Hanke

Neustadt. Letzter Tag im Prozess gegen den Verursacher des schweren Verkehrsunfalls vom 12. März 2011 an der Kreuzung Eppendorfer Landstraße / Eppendorfer Baum, bei dem vier Menschen ums Leben kamen.
Nachdem die Staatsanwältin und der Nebenkläger, der die Söhne des bei dem Unfall getöteten Ehepaares Sybille und Dietmar Mues vertritt, am Verhandlungstag davor gesprochen hatten, hält nun der Verteidiger sein Plädoyer. Die Staatsanwältin hatte drei Jahre und neun Monate Gefängnis für den Angeklagten, den 40-jährigen Cesar S. gefordert und ihre Fassungslosigkeit über die Verantwortungs- und Rücksichtslosigkeit des Angeklagten zum Ausdruck gebracht, der nur eine dünne Entschuldigung gegenüber den Hinterbliebenen der Opfer des von ihm verursachten Unfalls über die Lippen brachte, die die Mues-Söhne nicht akzeptierten. Cesar S. hatte nahezu während des ganzen Prozesses geschwiegen und sich lediglich zweimal temperamentvoll gegen den Vorwurf gewandt, er habe als Epileptiker um die Gefahr wissen müssen, die er durch das Fahren eines Autos darstellte. Er sei kein Epileptiker, sagte der Angeklagte, und deshalb sei der Anfall, den er kurz vor dem Unfall erlitten habe, und der seine Todesfahrt auslöste, für ihn wie aus heiterem Himmel gekommen. S. war mit an die 100 Stundenkilometer auf der Eppendorfer Landstraße auf die große Kreuzung mit Eppendorfer Baum, Lenhartzstraße und Lehmweg gefahren, hatte das Auto des Schauspielerehepaares Striebeck touchiert, worauf sich der Wagen von S. überschlug und in eine Fußgängergruppe fiel, in der sich die vier Todesopfer und andere Menschen befanden, die verletzt wurden. Für die beiden medizinischen Sachverständigen des Prozesses steht außer Frage, dass Cesar S. Epileptiker ist und um die Gefahr wußte, die er am Steuer darstellte. Zu viele Anfälle hatte S. seit 1993, wenn auch teilweise in großen Abständen, erlitten. Sein Verteidiger versuchte während des Prozesses und nun auch in seinem Plädoyer ebenso wie Cesar S. in seinen wenigen Äußerungen zu beweisen, dass diese Anfälle, die vor allem Arbeitskolleginnen und sein Chef sowie eine Ex-Geliebte bezeugten, verschiedene Gründe gehabt hätten und nicht auf eine Epilepsie zurückzuführen seien. Mal hatte S. zu wenig geschlafen, mal Alkohol getrunken oder seine Hand habe beim Führen der Computermaus gezittert, weil ein Kollege nicht verstanden habe, wie man mit der Elektronik umgeht. Verteidiger Ralf-Dieter Briel führte jeden bezeugten Anfall von Cesar S. auf, gab dafür Gründe an und bezweifelte Aussagen von Zeugen, die sich in „Merkwürdigkeiten und Widersprüche“ verstrickt hätten. S. hätte außerdem nach jedem Anfall seinen Hausarzt konsultiert und regelmäßig Medikamente gegen Epilepsie genommen. Auch die Tatsache, dass Cesar S. die Fahrerlaubnis wieder erteilt worden war, sieht sein Verteidiger als Grund dafür an, dass es sich bei den Anfällen nicht um Epilepsie gehandelt habe. Erst nach dem tödlichen Verkehrsunfall habe der Angeklagte erkannt, dass er Epileptiker und daher eine Gefahr für den Straßenverkehr sei. Der Verteidiger forderte Freispruch. In seinem Schlusswort betonte Cesar S., dass er nie wieder Auto fahren werde. Außerdem sagte er, dass er sich jeden Tag und in jeder Stunde mit dem Unfall beschäftige, und dass er nie wieder zur Ruhe kommen werde. Und er widersprach dem Bild, dass viele Medien von ihm gezeichnet hatten: „Ich bin nicht eiskalt und ohne Reue.“
Am Ende stand am Dienstag das Urteil. Drei Jahre und sechs Monate Haft und fünf Jahre Führerscheinentzug. Die Diskusion um diesen Fall wird damit sicher nicht zu Ende sein.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige