Ende einer guten Idee

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Dr. Mathias Krahl, Gesellschafter der Fährhaus Investment Group, mit Ansichten des Studentenheims, das in der Brennerstraße entstehen soll Foto: Grell

Investor stellte Künstlern Haus zur Verfügung – mit Verlust

Von Karen Grell
St. Georg. Es war eine gute Idee, doch die Umsetzung durch die Projektnehmer mangelhaft: Das Künstler-Haus in der Brennerstraße 20 steht vor dem Aus.
Die ehemalige Autowerkstatt war im vergangenen Jahr von der Fährhaus Investment Group Künstlern zur Verfügung gestellt worden. Bis zu seinem Abriss sollte das Haus als Atelier dienen. Es wurde für eine symbolische Miete überlassen. Die Künstler sollten ihr Projekt in Eigenverantwortung verwalten. Nun, ein Jahr später, droht das Konzept zu scheitern. Unstimmigkeiten zwischen den Künstlern und internen Projekten wie Volksküche und Tauschladen machen die Fortführung offenbar unmöglich. Unter anderem wurde das Haus zum Wohnen benutzt - gegen den Willen des Eigentümers, der auf 15.000 Euro Energiekosten sitzen blieb. Wie es mit B 20 weitergeht, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Gesucht wird jetzt ein Mieter, der sich verantwortlich fühlt und das Haus bis zum Ende weiter betreibt. Das WochenBlatt sprach mit Dr. Mathias Krahl, Geschäftsführender Gesellschafter der Fährhaus Investment Group.
WB: Wie kam es dazu, dass das Haus B20 als kulturelles Projekt vermietet wurde?
Krahl: Im April 2012 hatten wir von der Fährhaus Investment Group die Idee, das Haus bis zu seinem Abriss für einen symbolischen Euro an engagierte Künstler zu vermieten. Die jungen Künstler sollten sich selbst organisieren und lediglich um die Abrechnungen der Energiekosten kümmern.
WB: Welche Pläne haben Sie mit dem Gebäude?
Krahl: Das ehemalige Autohaus soll abgerissen und an dieser Stelle etwa 90 Wohneinheiten für Studenten entstehen. Ein Drittel davon soll zu günstigen Konditionen für Bedürftige vermietet werden, die denen in gemeinnützigen Wohnheimen entsprechen.
Krahl: Mit 20 Quadratmetern und einem Balkon in zentraler Lage wollen wir damit einen Schritt gegen die steigenden Mietpreise im Viertel unternehmen, und zwar ohne irgendwelche öffentlichen Zuschüsse. Noch immer aber haben wir keine Baugenehmigung.

WB: Wie hat sich das Projekt am Anfang entwickelt?
Krahl: Die Künstler waren engagiert und das Haus voller Kreativität. Ich bin selber manches Mal am Wochenende vorbeigekommen und habe mit den Künstlern gesprochen. Es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Ich habe lediglich empfohlen, die Energiekosten zu drosseln, die bereits bei 1000 Euro monatlich lagen.

WB: Welche Probleme sind dann aufgetreten?
Krahl: Es kam irgendwann zu einem Bruch im Haus. Fast alle der anfänglichen Mieter waren verschwunden und es blieben nur wenige nach, die das Haus dann für sich eingenommen hatten. Vereinbarungen, wie ein Übernachtungsverbot, wurden nicht mehr beachtet und das Projekt drohte zu eskalieren.

WB: Welche Perspektiven sehen Sie für das Haus zum aktuellen Zeitpunkt und wie werden diese umgesetzt?
Krahl: Im Haus B 20 ist in den vergangenen Wochen übernachtet worden, obwohl das Haus nicht dafür geeignet ist. Es ist ausschließlich zur Nutzung für künstlerische Tätigkeiten tagsüber überlassen worden. Ein Autohaus dient nicht als Wohnraum, dafür ist es nicht ausgelegt. Leider sind auch interessante Projekte wie die Volksküche und der Tauschladen, die hier entstanden waren, gescheitert.

WB: Welche ganz konkreten Probleme bestehen und welche Bedenken haben Sie im Bezug auf die aktuelle Situation?
Krahl: Angefangen mit dem Brandschutz bis hin zur Belästigung der Nachbarn kann es mit dem Haus B 20 nicht in der Form wie bisher weitergehen. Wir hoffen darauf, zusammen mit den Institutionen im Stadtteil eine Lösung zu finden. Wir suchen jemanden, der uns hilft, die Situation wieder unter Kontrolle bringt und auch Verantwortung übernimmt.

WB: Was wünschen Sie sich persönlich für das Haus B20
Krahl: Ich möchte das Haus gern weiter an ein engagiertes Projekt geben. Bis zum Abriss stellen wir es dann in den Dienst einer guten Sache, die wir auch weiterhin unterstützen wollen. Noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, eine ruhige Lösung zu finden. Ansonsten muss ich allerdings leider die Konsequenzen ziehen und B20 beenden.
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